Regionalliga Bayern: Das Heimspiel von Viktoria Aschaffenburg aus fünf Perspektiven betrachtet

Über das Heimspiel von Viktoria Aschaffenburg in der Regionalliga Bayern gegen den TSV Buchbach (4:2) könnte man mehrere Kurzgeschichten schreiben. Der Mittelkreis war bei der Partie live dabei und zeigt einmal, aus welchen Sichten man das Spiel wiedergeben kann und was die Zuschauer, die nicht im Stadion waren, an diesem Tag verpasst haben.

Variante 1 – SVA beendet Negativserie

Nach vier Pleiten in Serie hat der Aufsteiger aus Aschaffenburg den Bock umgestoßen und einen Dreier gefeiert. Mit tollem Fußball begeisterte der SVA seine Fans und führte nach 50 Minuten mit 3:0. Giulio Fiordellisi schoss ein Tor selbst und bereitete ein Eigentor so vor, dass der Gegner gar nicht mehr ausweichen konnte. Simon Schmidt legte zweimal auf und Kapitän Markus Horr kehrte in die Startelf zurück und markierte sein erstes Saisontor. Als Buchbach durch Christoph Behr und Steffen Denk bis auf ein Tor herankam, begann das große Zittern. Behr verfehlte knapp, Viktorias Murat Sejdovic flog vom Platz. Doch mit einem Konter sorgte der eingewechselte Steffen Bachmann für das erlösende 4:2.

Variante 2 – Buchbachs Serie unverdient gerissen

Ein Handspiel vor dem Tor von Markus Horr und eine klare Abseitsstellung von Giulio Fiordellisi hatten die Verantwortlichen des TSV Buchbach bei der Pleite gesehen. Der Frust nach der ersten Niederlage seit fünf Spielen schien tief zu sitzen. Trainer Anton Bobenstetter war bei der Pressekonferenz zwar gefasst, freute sich darüber, dass sein Team aus dem kleinen Ort in einem so schönen Stadion spielen durfte, ärgerte sich aber leise über die Gangart der Aschaffenburger: „Der SVA spielte hart und aggressiver, was auch legitim ist. Dadurch hatten sie vielleicht die zwei, drei Schlüsselszenen auf ihrer Seite.“ Seine Spieler hätten zudem einen Ball in der ersten Halbzeit klar hinter der Linie gesehen. Sebastian Saufhaus hatte diesen geklärt. Dazu hat Buchbach laut Bobenstetter mindestens 60 Prozent Ballbesitz und verschoss ja auch in Person von Ralf Klingmann einen Handelfmeter.

Variante 3 – Joker Bachmann hätte Torschützenkönig werden können:

3:2 führte Aschaffenburg in dem turbulenten Spiel kurz vor Schluss. Buchbach löste seine Viererkette auf, warf alles nach vorne und stürmte mit drei Spitzen. Dadurch ergaben sich Räume für den SVA und der eingewechselte Steffen Bachmann tauchte frei vor Gästekeeper Dominik Süßmeier auf. Das passierte nicht einmal und auch nicht zweimal. Es geschah auch nicht drei- oder viermal, sondern gleich fünfmal in den letzten zehn Minuten. Einmal traf Bachmann bekanntlich. Einmal entschied Schiedsrichter Christopher Schwarzmann auf Abseits, und die anderen Male brachte der Joker das Leder nicht im Tor unter. Seinem Trainer Antonio Abbruzzese konnte das nach dem Spiel eigentlich aufgrund des Sieges egal sein, trotzdem kommentierte er den Auftritt seines Einwechselspielers: „Steffen Bachmann hätte heute in einem Spiel die Führung der internen Torschützenliste übernehmen können.“

Variante 4 – Aschaffenburger Fans beleidigen Schiri

Das Spiel hatte noch nicht begonnen und schon stand der Schiedsrichter in der Kritik einer handvoll Rentner, die sich vor der Tortribüne im Stadion am Schönbusch postiert hatten. Ob das der Grund dafür ist, dass Christopher Schwarzmann viele strittige Entscheidungen gegen die Aschaffenburger wertete, ist natürlich nicht zu beurteilen. Auffallend war aber schon, dass seine Assistenten lieber einmal Abseits zu viel andeuteten als zu wenig, wenn die Viktoria gute Chancen auf einen Torerfolg hatte. Die Schimpftiraden, die sich der 25 Jahre alte Mann in Gelb aber beim Gang in die Pause anhören musste, waren einfach nur peinlich und unverschämt. Solche Ausdrucke, wie sie der ein oder andere ältere Herr da angewandt hat, gehören einfach nicht auf einen Sportplatz. Dass nach dem Spiel auch die Gäste aus Buchbach mit Schwarzmanns Leistung nicht zufrieden waren, zeigt wie turbulent es am Schönbusch zu ging und wie schwer ein solches Spiel zu leiten ist.

Variante 5 – SVA-Kicker verdienen sich Oktoberfest

Die Zugfahrt war schon vorher gebucht. Markus Horr & Co. machten sich direkt nach dem Spiel auf den Weg in die bayerische Landeshauptstadt um auf dem Oktoberfest zu feiern. Diese kleine Auszeit vom harten Trainingsalltag haben sich die Viktorianer vor der nächsten englischen Woche (drei Heimspiele vom 3- bis zum 13. Oktober) redlich verdient. Zum Glück wurde der 3:0-Vorsprung gegen Buchbach nicht verspielt. Ob die Kicker von Coach Abbruzzese dann auch so ausgelassen auf der Wies’n gefeiert hätten? Der Trainer hatte den Trip auf jeden Fall genehmigt: „Jetzt kann meine Mannschaft bei der Zugfahrt auf das Oktoberfest abschalten. Der Sonntag ist trainingsfrei. Am Montag werden alle wieder im Training da sein!“

Fazit: Diese aufregende, turbulente, torreiche und nervenaufreibende Partie hätte auf jeden Fall mehr als die 403 Zuschauer verdient gehabt. Vielleicht kommen ja schon beim nächsten Aschaffenburger Heimspiel am Tag der deutschen Einheit gegen Eintracht Bamberg mehr Kiebitze an den Schönbusch. Zu sehen und hören gibt’s dort immer was… 

SVA: Ricardo Döbert, Mario Sternheimer (64. Steffen Bachmann), Markus Brüdigam, Giulio Fiordellisi (87. Patrick Amrhein), Matthias Fries, Markus Horr, Fnan Tewelde, Simon Schmidt, Marcello Fiorentini, Murat Sejdovic, Sebastian Saufhaus (74. Markus Wosiek)

Buchbach: Dominik Süßmeier, Patrick Irmler (46. Alexander Schmalhofer), Florian Gögl, Maximilian Hain, Manuel Neubauer, Hannes Hain (46. Christoph Behr), Markus Grübl, Stefan Lex, Ralf Klingmann (78. Christoph Hösl), Aleksandro Petrovic, Stefan Denk

Schiedsrichter: Christopher Schwarzmann (Scheßlitz)

Tore: 1:0 Fiordellisi (8.), 2:0 Horr (17.), 3:0 Fiordellisi (49.), 3:1 Behr (52.), 3:2 Denk (71.), 4:2 Bachmann (85.)

Bes. Vorkommnis: Döbert hält Handelfmeter von Klingmann (35.)

Gelb: Sternheimer, Sejdovic, Saufhaus, Horr / Behr

Gelb-Rot: Sejdovic (75.)

Zuschauer: 403

 

 

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