Interview: Ümit Gündüz (SKG Karadeniz)

Die SKG Karadeniz spielt in dieser Saison wieder oben mit. Ümit Gündüz ist in Wiesbaden mehr als Schiedsrichter bekannt. Spielte er in den letzten Jahren immer nur aushilfsweise für die zweite Mannschaft, so ist er seit dieser Saison fest beim SKG Karadeniz und kam schon zu Einsätzen in der ersten Mannschaft. Nach dem Spiel bei TuS Nordenstadt unterhielt sich Mittelkreis mit dem Joker.

Mittelkreis: Das letzte Spiel beim TuS Nordenstadt ging mit 2:3 verloren. Wie hast du das Spiel gesehen?

Gündüz: Nach dem Ausgleichstreffer hatten wir mehrere Chancen in Führung zu gehen. Leider gingen wir etwas großzügig mit unseren Chancen um. Nach der gelb-roten und roten Karte fing ein harter Kampf für uns an. Die ganze Mannschaft hielt zusammen, doch Nordenstadt nutzte die zahlenmäßige Überlegenheit zum Führungstreffer aus. Wir wollten das Spiel nicht verlieren, spielten mit 9 Mann trotzdem offensiv weiter, durch ein Konter fingen wir das 1:3 ein. Das 2:3 war nur noch Ergebniskosmetik.

Mittelkreis:  Ihr wurdet vor der Saison als großer Favorit gehandelt. Jetzt steht ihr auf Platz 2. Wie kam das zustande?

Gündüz: Seit dem ersten Spieltag waren wir noch in keinem Spiel komplett. Jede Woche sind es andere Ausfälle. Verletzungen gibt es immer im Fußball, doch wir müssen unsere Emotionen eindeutig etwas eingrenzen. Die vielen Platzverweise haben uns viele Punkte gekostet. Wir werden die Tabellenführung bald wieder erobern. Wir haben eine gut gemischte Truppe mit vielen jungen Spielern, aber auch ein paar erfahrene Spieler, die sich gegenseitig gut ergänzen. Von Meisterschaft ist noch nicht groß die Rede, doch wir wollen jede Mannschaft in der Liga schlagen und wenn man jede Woche die drei Punkte einholt, steht der SKG Karadeniz am Ende der Saison auf Platz 1.

Mittelkreis: Du warst bisher eher als Schiedsrichter bekannt. Warum spielst du jetzt regelmäßig?

Gündüz: . Die Pfeife hängt vorerst mal zuhause an der Wand. Das Fußballspielen hat mir schon immer große Freude vorbereitet. Fußball ist nur mein Hobby und ich finde mein Hobby sollte mir Spaß machen, deshalb habe ich mich fürs "kicken" entschieden.

Mittelkreis: Was sind deine Ziele mit dem SKG Karadeniz?

Gündüz: Ich bin mit dem SKG Karadeniz aufgewachsen. Mein Vater hat mich schon in ganz jungen Jahren zu den Spielen mitgenommen. Ich habe als "Kind" viele Erfolge mit dem Karadeniz miterlebt. Dies möchte ich jetzt auch sehr gerne als Spieler erleben.

Mittelkreis: Was sind deine persönlichen Ziele?

Gündüz:  Meine aktive Karriere als Spieler bei den Senioren hat theoretisch erst diese Saison begonnen. Anfang der Saison galt ich bei Karadeniz nur als Aushilfs-Spieler bei der zweiten Mannschaft. Wie in den  Jahren zuvor, wollte ich bei spielfreien Tagen als Schiedsrichter, bei der Zweiten mitkicken. Durch die vielen Ausfälle in der ersten, Verletzungen und Sperren, war ich plötzlich im Kader der Ersten. Das Spiel gegen die Germania war ein ganz besonderes für mich. Es war ein hart umkämpftes Spiel. Ich wurde eingewechselt und schoss den Siegtreffer, was von sehr großer Bedeutung war... Bei SKG Karadeniz kann ich von erfahrenen Spielern, wie Ibrahim Acar und Orkan Yurtseven, die beide schon höherklassig gespielt haben, profitieren und noch viel dazu lernen. In der Mannschaft gibt es zwischen Spieler, Trainer und dem Vorstand ein sehr enges familiäres Verhältnis. Unter dem guten und erfolgsgierigen Trainer Murat Odabas, dem ich schon als "Kind" für seine vielen und wichtigen Tore bei Karadeniz zujubelte,  möchte ich mich weiterentwickeln und zunächst zum Stammspieler bei der SKG Karadeniz werden.

Mittelkreis: Ist die Schiedsrichter-Karriere jetzt beendet?

Gündüz: Als Schiedsrichter hatte ich schon einige Erfolge und bin in Wiesbaden sehr bekannt geworden. Ich bin auch rasch in die Gruppenliga aufgestiegen. Beim ersten Gruppenliga-Jahr fasse ich mir selbst an die Nase. Doch ab dem zweiten Jahr hinderte mich irgendwas an dem Aufstieg, was ich bis heute nicht ganz nachvollziehen und begründen kann. Meine Leistungen auf dem Platz haben eigentlich immer gestimmt, ich war motiviert, ehrgeizig und selbstbewusst. Ich war heiß auf die höheren Klassen. Leider musste ich Anfang der Saison zum drittenmal ran in der Gruppenliga. Gleich nach meiner ersten Beobachtung war die Saison theoretisch für mich gelaufen. Nicht nur die schlechte Beurteilung, sondern auch die mäßige Unterstützung vom eigenen Kreis und Kollegen machte mich sehr unglücklich. Ich fühlte mich so langsam vergessen und abgeschoben. Meine anfänglichen Erfolge wurden vernachlässigt und ich gehörte irgendwie nicht mehr zu den "guten". Ich habe leider dadurch die Lust am pfeifen verloren... Bei Karadeniz wurde ich herzlich als Spieler aufgenommen und ich fühle mich im Moment sehr wohl da. Ich möchte jetzt erst mal einige Zeit für den Erfolg von Karadeniz kämpfen, aber ich könnte mir vorstellen, irgendwann mal wieder mit der Pfeife im Mund auf dem Platz zu stehen. Das Pfeifen HAT mir mal großen Spaß gemacht und vielleicht finde ich den Spaßfaktor ja in der Zukunft mal wieder.

Mittelkreis: Am Sonntag kommt der SC Kohlheck . Wie wird das Spiel ablaufen?

Gündüz: Den SC Kohlheck haben wir schon im Pokal kennengelernt. Das Ergebnis täuscht aber im ersten Anblick. Wir waren bei diesem Spiel zum Großteil mit der Reserve aufgetreten und haben trotzdem ein gutes Spiel abgeliefert. Ich persönlich fand die Kohlhecker nicht so stark. Wenn wir uns auf unser Spiel konzentrieren und unser Ding durchziehen, werden wir sicherlich die drei Punkte einholen. Der SKG Karadeniz gibt zuhause nicht so leicht Punkte ab. Durch die vielen Verletzten und Gesperrten muss der Trainer wieder umstellen. Seit ein paar Wochen treffe ich bei der zweiten. Bei einem Einsatz, was ich sehr erhoffe, möchte mich jetzt am Sonntag auch bei der Ersten beweisen.

Mittelkreis: Dein Ergebnis-Tipp?

Gündüz: Mein Tipp wäre ein 3:1 für uns. Vielleicht schnappt der "Joker-Gündüz" wieder zu und trifft auch gegen Kohlheck.

Von Wolfgang Geipel

 

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