Kniegelenkerkrankungen beim Kind und Jugendlichen

Beschwerden im Knie bei Kindern und Jugendlichen sind entweder angeboren oder durch einen Unfall erworben. Verschleiß an Knorpel,  Menisken und Bändern wie bei älteren Menschen gibt es bei Kindern nicht. Manche der angeborenen Erkrankungen werden erst im jugendlichen Alter bei zunehmender Belastung symptomatisch. Die Erkrankungen, denen man im Praxisalltag am häufigsten begegnet, sind die Patelladysplasie, der Morbus Osgood Schlatter und unfallbedingte Verletzungen des Knochen und Bandapparates.

Patelladysplasie:
Es handelt sich um eine angeborene Fehlbildung der Rückfläche der Kniescheibe. Anstelle einer V-förmig geformten Gleitfläche ist sie flach ausgebildet. Diese Fehlbildung tritt häufig gemeinsam mit einer ebenfalls zu flach und zu kurz geformten Gleitfläche der Oberschenkelrolle auf. Im Zusammenspiel mit den Kräften der Oberschenkelmuskulatur kommt es zu einem Fehlgleiten der Kniescheibe, welche im schlechtesten Fall auch nach außen herausspringen kann. Betroffen sind meist Mädchen zwischen 12 und 16 Jahren. Als Beschwerden werden Schmerzen um die Kniescheibe bei Beugung wie z.B. beim Fahrradfahren angegeben.
Kommt es nicht zu einem Herausspringen der Kniescheibe (Luxation) ist die Therapie in der Regel konservativ. Nach eindeutiger Diagnosestellung nach einer körperlichen Untersuchung, einer Röntgenuntersuchung oder nach Kniescheibenluxation mittels einer MRT, kann eine adäquate Therapie eingeleitet werden. Es wird Muskelentspannung für die äußere Oberschenkelmuskulatur und Muskelaufbau für die innere Oberschenkelmuskulatur trainiert. In über 80% der betroffenen Jugendlichen verschwinden die Beschwerden, falls keine Luxation vorlag, nach Abschluss des Knochenwachstums.
Nach einem Herausspringen der Kniescheibe ist bei Zerreißung des inneren Halteapparates nach Abschluss des Knochenwachstums eine Rekonstruktion mit einer körpereigenen Sehne erforderlich.

Morbus Osgood Schlatter:
Betroffen sind sportlich sehr aktive Jugendliche zwischen 10 und 14 Jahren. Es kommt zu einer Überlastungsentzündung des Kniescheibensehnenansatzes am Schienbeinkopf. Der Sehnenansatz der Kniescheibensehne ist bei Kinder und Jugendlichen noch nicht verknöchert und durch starken Zug am Sehnenansatz kommt es zu Microtraumen. Die jungen Patientinnen und Patienten klagen über Schmerzen, Schwellung, manchmal Überwärmung am Schienbeinkopf nach Belastung. Therapeutisch ist eine kurze Sportpause, Kühlung und ein Antiphlogistikum zu empfehlen. Die Beschwerden können bei sportlicher Belastung immer wieder auftreten, verschwinden aber immer nach Abschluss des Knochenwachstums.

Verletzungen:
Eine häufige  Verletzung bei Jugendlichen ist eine Knieprellung, welche die ersten drei Tage mit Kälte und Salbenverbänden behandelt werden sollte. Bei Knieverdrehung sollte durch einen Arzt eine Bandverletzung ausgeschlossen werden, da diese unerkannt und nicht adäquat behandelt, zu Spätschäden führen können.

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