Kreisklasse AB 2: „[…] wenn’s vorne net klappt, dann klingelts eben hinten“ – Doppelinterview Guido Schiessler & Edi Susic (TSV Mainaschaff)

Der TSV Mainaschaff hat - nach der tollen Vizemeisterschaft im letzten Jahr - in der aktuell laufenden Saison noch Probleme und das Punktekonto ist bisher nur mager gefüllt. Der Mittelkreis sprach im Doppelinterview mit dem Trainer des TSV, Guido Schiessler, sowie dem Sportlichen Leiter und Torwart, Edi Susic über den bisherigen Rundenverlauf und die anstehenden Aufgaben.

Mittelkreis: Am vergangenen Spieltag habt ihr auswärts die "Zweite" des VfR Großostheim mit 5:1 geschlagen. Könnt ihr uns kurz den Spielverlauf wiedergeben?

Edi Susic: Großostheim spielte vor allem in der Anfangsphase sehr ordentlichen Fußball, das haben die Ergebnisse der letzten Wochen auch gezeigt. Mit zunehmender Spieldauer haben wir letztendlich das Spiel von Minute zu Minute bestimmt und sind Mitte der ersten Halbzeit dann auch verdient in Führung gegangen. Entscheidend für unsere weitere konzentrierte Spielweise war das 2:0 kurz vor der Pause. Nach dem Wechsel ließen wir zunächst den VFR kommen und verlagerten unser Spiel auf das Kontern, was sich dann in den Toren 3, 4 und 5 widerspiegelte. In den letzten 10 Minuten ließen wir leider einige Torchancen, mangels Unachtsamkeit zu und Großostheim kam zum Anschlusstreffer.

Mittelkreis: War das eurer Meinung nach der lang ersehnte Befreiungsschlag, den die Mannschaft gebraucht hat?

Guido Schiessler: Ich denke schon. Wir haben auch die Spiele vorher recht ordentlich gespielt, aber letztendlich fehlte in der einen oder anderen Situation auch etwas Glück.

Edi Susic: Sehe ich ähnlich – nur wenn Du aus dem Keller raus willst, dann mußt du einfach beim Tabellenletzten gewinnen – und im Nachhinein ist es egal, ob du klasse gegen andere Mannschaften gespielt hast.

Mittelkreis: Worin seht ihr die Gründe dafür, dass ihr vor allem in den drei Spielen zuvor mit hohen Niederlagen und 15 Gegentoren das Feld verlassen musstet?

Guido Schiessler: ...weil wir immer gut mitgehalten haben und nachdem das 2. Gegentor gefallen war, haben wir uns aufgegeben und abschießen lassen.

Edi Susic: Allerdings sollte man dazu sagen, dass wir stellenweise auch 1000 %ige nicht im Kasten untergebracht haben. Und wenn’s vorne net klappt, dann klingelts eben hinten. Zudem sind einige Spieler nicht fit und andere fallen dieses Jahr komplett aus und kommen wohl erst zur Rückrunde wieder.

Mittelkreis: Wie beurteilt das Mainaschaffer Umfeld bzw. die Mitglieder die aktuelle Platzierung bzw. den bisherigen Verlauf der Saison? Eher kritisch oder sind alle noch guter Dinge?

Guido Schiessler: Ich denke, dass der eine oder andere die Sache schon kritisch sieht. Mein Trainerkollege Christian Brandmüller und ich beurteilen jede Niederlage sehr kritisch, damit wir bzw. unser Team aus den Fehlern lernt. Aber trotz alledem glaube ich, dass sich unsere Mannschaft noch steigern wird.

Edi Susic: Nach dem überraschenden Erfolg im letzten Jahr dachten natürlich einige an eine Wiederholung der Ergebnisse – aber nicht nur die Zuschauer und das Umfeld, sondern auch die Spieler sahen sich schnell eines Besseren belehrt. Lassen wir das Umfeld mal kurz weg, denn hier wissen ja bekanntlich sowieso viele „alles“ besser.

Die Gefahr haben die Trainer und ich relativ schnell gesehen: Dies geht schon bei der Trainingsbeteiligung los – hier schließe ich mich nicht aus – viele sind berufs- und schulbedingt kaum oder gar nicht da. Auch viele meinen, weil sie einen Ball von A nach B treten können, sich für die Bezirksliga zu qualifizieren und erst gar nicht erscheinen, weil sie kein Training brauchen. Das aber – sagen wir mal ab Kreisliga - hier ganz andere Sitten herrschen, glaubt kein Spieler, wenn man es ihnen sagt. Die meinen dass man da locker mithalten kann und übersehen leider ihre eigenen Grenzen. Das wir nun kleine Brötchen backen müssen ist nun hoffentlich allen Beteiligten klar. Ich hatte ja bereits gesagt, dass diese Klasse vom Mannschaftsniveau her eine Kreisliga ist - und mit wenigen Ausnahmen hat sich das bisher auch gezeigt.

Mittelkreis: Ihr seid nun 2 Wochenenden spielfrei, eine willkommene Pause für alle Spieler oder hättet ihr nach dem tollen Sieg gerne direkt weitergespielt?

Guido Schiessler: Die Pause kommt uns in unserer momentanen Verfassung gerade recht, da wir einige Spieler mit Blessuren haben.

Edi Susic: Da bin ich absolut mit unserem Coach einer Meinung. Nur den Maßstab für tolle Siege sehe ich ganz wo anders. Ich hoffe, dass wir dieses Jahr noch drei Siege einfahren und uns beruhigt in die Winterpause verabschieden können.

Mittelkreis: Welche Mannschaft/en hat/haben euch in der Kreisklasse AB 2 bisher am meisten überrascht - positiv wie negativ?

Guido Schiessler: Nilkheim hatte mit Sicherheit niemand auf der Rechnung bei der Vergabe der vorderen Plätze – die spielen eine ähnliche, sehr starke Rolle wie wir letzte Saison.

Edi Susic: Im negativen, um ehrlich zu sein, bisher die kompletten abgestiegenen Mannschaften aus der Kreisliga. Hier habe ich mir mehr versprochen – ich denke, diese sicher auch. Positiv freut es mich, dass hier quasi jeder jeden schlagen kann. Mit Nilkheim, da hat unser Coach recht, freut es mich, dass mein Freund Christoph Zerkowski was auf die Beine gestellt hat.

Mittelkreis: Abschließend: Edi, wie meisterst du die Doppelbelastung Spieler und Sportlicher Leiter? Bist du für deine Kameraden eher der Mannschaftskollege oder doch der "offizielle" Funktionär

Edi Susic: Das ist ein ganz schön schmaler Grat, auf dem ich mich da bewege. Ich muss zum einen die Interessen des Vereins, der Trainer und des Umfelds beachten und zum anderen meine eigene Leistung zweimal beurteilen. Außerdem, und das ist das schwierige und vielleicht auch gemeine an der Sache, Unstimmigkeiten und Vorkommnisse, wenn’s klappt sofort schlichten, ansonsten dem Trainerstab übergeben. Im Großen und Ganzen halte ich mich aber aus den Mannschaftsaktivitäten heraus. Das ist fair gegenüber der Mannschaft.

Man wächst in diese Aufgabe jedes Jahr weiter. Anfangs versucht man, es jedem und allem Recht zu machen. Man ist neu im Geschäft und sammelt positive und negative Erfahrungen. Irgendwann ist aber dann auch mal ein Punkt erreicht, Entscheidungen – auch wenn’s weh tut – alleine zu treffen. Klar ist, dass ich für meine Jungs der Mannschaftskollege bin – allerdings nur so lange, bis diverse Unstimmigkeiten aus dem Ruder geraten...

Mittelkreis: Vielen Dank für das interessante Interview!

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