Was ist die häufigste Kniebandverletzung beim Fußballer?

Zum Glück ein Band, das man so gut wie nie operieren muss: Das Innenband!
Es verläuft vom inneren Oberschenkelhöcker fächerförmig schräg nach vorne zur inneren Unterschenkelkante. Es verläuft in der Gelenkskapsel, nicht innerhalb des Kniegelenkes wie die Kreuzbänder. Bei Verletzung  macht es häufig keinen Gelenkerguss.
Das Innenband stabilisiert das Knie in voller Streckung und ist dann maximal gespannt. In tiefer Beugung stabilisiert es die Außenrotation. Es ist mit dem Innenmeniskus verwachsen, was häufig zu Begleitverletzungen führt.

Verletzungen treten mit und ohne Einfluss des Gegners auf: z.B. beim Innenristschuss, wenn man im Boden hängen bleibt, ein Tritt von außen gegen das leicht gebeugte Knie und am häufigsten durch einen Pressschlag.

Kommt es zur Verletzung, merkst Du das sofort: Ein stechender Schmerz an der Innenseite des Kniegelenkes entweder am Ober- oder Unterschenkelansatz. Ein Weiterspielen ist meist nicht möglich!

Jetzt sollte das getan werden, was Christian Pessel in seinem Artikel erklärt hat: die PECH–Regel. Eine Vorstellung beim Unfallchirurgen sollte so bald als möglich innerhalb der ersten 3 bis 4 Tage nach Verletzung erfolgen.
Nach einer Innenbandverletzung muss eine exakte Diagnostik zur Bestimmung des Schweregrades der Verletzung durchgeführt werden.

Man unterscheidet drei Schweregrade: die Dehnung oder Zerrung, die Teilruptur und die komplette Ruptur.
Die Diagnostik muss hier genau sein, da die Therapie der Verletzungsfolgen unterschiedlich ist.
Der Unfallchirurg sollte nach einer körperlichen Untersuchung bei Verdacht auf eine innere Aufklappbarkeit des Kniegelenkes oder bei einem Instabilitätsgefühl des Patienten eine Kernspinuntersuchung (MRT) veranlassen.
Nur dadurch kann man die drei Schweregrade sicher unterscheiden.

Die Therapie richtet sich dann nach dem Ergebnis der Kerspinuntersuchung:

- Schweregrad 1: die Dehnung oder Zerrung. Hier genügt oft eine Kniegelenksbandage mit Seitenverstärkung (z.B. Genu-Train-Bandage).
Das Knie sollte für einige Tage mit einem Salbenverband behandelt werden. Gehstöcke und eine Entlastung sind in der Regel nicht erforderlich. Eine Sportpause sollte für 3 Wochen eingehalten werden. Für einige Tage sollte ein entzündungshemmendes Medikament (Diclofenac oder Ibuprofen) eingenommen werden.

- Schweregrad 2: die Teilruptur. Bei leichter Aufklappbarkeit in der Untersuchung  muss hier eine stabilere Ruhigstellung sowie Entlastung erfolgen. Es sollte eine Kniegelenkorthese mit Gelenk angepasst werden. Das Bewegungsausmaß sollte für drei Wochen auf  0 – 0 – 90° eingeschränkt werden. Für diese Zeit sollte eine Teilbelastung bis zur Schmerzgrenze an Unterarmgehstöcken erfolgen. Anschließend sollte die Orthese noch für 3 Wochen bei freier Beweglichkeit getragen werden. Begleitend kann hier Physiotherapie zur Schmerzreduktion und Stabilisierung hilfreich sein. Die Medikation sollte wie bei Schweregrad 1 durchgeführt werden. Eine Sportpause ist bis zur sechsten Woche einzuhalten, da das Band stabil vernarben muss.

- Schweregrad 3: die Komplettruptur. Bei einer im Kernspin nachgewiesenen Komplettruptur sollte auch eine Entlastung an Unterarmgehstöcken für 3 Wochen erfolgen. Die ebenfalls zu tragende Kniegelenkorthese sollte für 3 Wochen ein Bewegungsausmaß von 0 -20 - 60° haben, anschließend für weitere 3 Wochen 0 – 0 – 90°. Physiotherapie und Medikamente sind auch hier zu empfehlen. Nach 6 Wochen sollte, bevor ein Einstieg ins reguläre Training erfolgt, beim Physiotherapeuten eine Staffel Krankengymnastik am Gerät absolviert werden.  Ein Trainingsbeginn kann hier frühestens nach 9 Wochen erfolgen. Der Einstieg  in Spielsituationen nach 3 Monaten.
Eine Operation ist bei diszipliniert durchgeführter Therapie in der Regel nicht erforderlich. Sollten im Kernspin Begleitverletzungen diagnostiziert worden sein, sind diese gesondert zu behandeln. Auch bei gleichzeitig aufgetretener vorderer Kreuzbandverletzung, was eine Operation zur Folge hat, sollte das Innenband nicht genäht werden. Nach Abschwellen des Kniegelenkes und oben genannter konservativer Therapie der Innenbandruptur kann dann operiert werden und die Kreuzbandplastik erfolgen.

Sollte sich nach erfolgter konservativer Therapie dennoch eine Bandschwäche einstellen, ist eine operative Innenbandrekonstruktion erforderlich.
Hiernach ist eine einfache Naht oder Raffung der ehemaligen Bandstrukturen jedoch allein nicht ausreichend, so dass nach einer erfolgten Operation die Nachbehandlung wie nach einer Komplettruptur des Innenbandes durchgeführt werden muss.
Zusammengefasst ist eine rasche Diagnosesicherung und konsequente Therapie erforderlich, um Euch stabil und schnell wieder ins Spiel zu bringen.
Auch wenn die Ausfallzeiten lange erscheinen, es lohnt sich auf  lange Sicht der Karriere.

Eine verletzungsfreie Zeit wünscht
Dr. med. Alexander Bruder
Unfallchirurgie - Sporttraumatologie

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