Verletzt…. und jetzt?!

Scheinbar  unvorbereitet und in voller Härte trifft es einen wie ein Schlag! Die Rede ist von der Sportverletzung, die oft kurzfristig oder auch langfristig sportliche Träume und Ambitionen zerplatzen lässt. Oft kann man sich nicht erklären  warum oder fragt sich warum ausgerechnet jetzt oder warum ausgerechnet ich.

Die Entstehungsmechanismen einer Verletzung, man kann sie auch ursächlich in innere und äußere Faktoren unterteilen, sind sehr vielschichtig, z.B. im Wettkampf/Training  mit oder ohne Gegnereinwirkung,  als Folge von Überlastung, als Folge falschen Trainings, ungenügende Einplanung von Regenerationszeiten nach sportlicher Belastung, psychomotorische Fehlsteuerung – Stress oder Erschöpfung, falsche Ernährung, Suchtmittelkonsum usw..

Was kann man also tun, um im Falle einer Verletzung, die bestmöglichen Voraussetzungen für eine perfekte Verletzungsausheilung zu schaffen. Im Leistungssportbereich greifen hier optimierte Handlungsabläufe lückenlos ineinander und schaffen auf qualitativ hohem Niveau ideale Bedingungen für den rekonvaleszenten Sportler.

Die zunächst wohl wichtigste und für den positiven Heilungsverlauf entscheidende Maßnahme ist die Erstversorgung, also dass was direkt nach Verletzungseintritt am Ort des Geschehens erfolgen sollte. Hier werden oft entscheidende Fehler, im Bemühen Gutes zu tun, aber stellenweise auch aus Unwissenheit getätigt oder der schlimmste Fall, es erfolgt keine Versorgung, aus Unsicherheit oder weil keine Erstversorgungsmittel vorhanden sind. Es ist richtig, das natürlich bei offensichtlich schwerwiegenden Verletzungen so schnell wie möglich Rettungswagen und Notarzt alarmiert werden müssen, aber auch hier, Jeder hat schon Mal einen 1. Hilfe Kurs absolviert, kann man den verletzten Sportler bis zu deren eintreffen erfolgreich versorgen und Beistand leisten.

Die wesentlichen Elemente der Erstversorgung werden schon seit dem  Bestehen der Sportphysiotherapie und deren Behandlungs- und Nachbehandlungsschemata in einem Wort zusammengefasst – P E C H, und geben selbst einem Übungsleiter oder Betreuer, wenn kein Arzt oder Sportphysiotherapeut vor Ort ist nützliche Hilfestellungen an die Hand.

Die PECH- Regel beschreibt genau die ersten Schritte nach Eintritt einer Verletzung:

P = PAUSE

E = EIS bzw. KÜHLUNG

C = ( Compression ) KOMPRESSION

H = HOCHLAGERUNG

PAUSE bedeutet, den verletzten Sportler aus der sportlichen Belastung herauszunehmen, der verletzten Struktur Ruhe zu gönnen und um keine weiteren Schäden zu verursachen.

EIS bzw. KÜHLUNG bedeutet, örtlich im Verletzungsgebiet Schmerzen zu lindern und Schmerzverstärkung zu unterbinden. Über die Kälteapplikation wirkt man einer vermehrten Einblutung in das Gewebe entgegen und verhindert damit die durch Schwellung hervorgerufene Druckerhöhung.

KOMPRESSION bedeutet, mit Hilfe von mit Eiswasser gekühlten Schaumstoffteilen und/oder  Schwämmen gezielt adäquaten Druck auf die verletzte Stelle auszuüben. Als Fixationsmaterial kommen hier idealerweise längs- und querelastische Binden zur Anwendung. Die Kompression verfolgt das gleiche Ziel, wie die Kühlung, das  Stoppen der Einblutung, Schwellungsverhinderung und der damit verbundenen Schmerzlinderung. In regelmäßigen Abständen appliziert man auf den Kompressionsverband von außen mit einer Trinkflasche das Eiswasser um die Kühlung aufrecht zu halten. Im Idealfall erneuert man für 3-4 Mal alle 20-25 Minuten den Verband, um kurzfristig bewusst einen Durchblutungswechsel anzuregen. Damit unterstützt man die natürlich ablaufenden Heilentzündungsprozesse, die bereits  direkt nach der Verletzung im vollen Gange sind.

HOCHLAGERUNG bedeutet, nach erfolgter Erstversorgung den Sportler schmerzfrei und bequem zu lagern, die verletzte Region nach Möglichkeit ruhig und hoch zu positionieren. Damit bewirkt man zunächst eine Verminderung der Durchblutung  im betroffenen Verletzungsgebiet und eine Blockierung der Schmerzmediatoren durch Entlastung der neuralen Strukturen.

Wie schon zuvor erwähnt scheitert oft eine solche Erstversorgung mangels Kenntnisse oder den nicht vorhandenen Materialien, wie eine Eisbox oder/und ein Sportbetreuerkoffer.

Ganz entscheidend für eine schnelle Genesung sind nun die nächsten Schritte, der schnelle Termin bei einem Arzt oder zumindest im Vorfeld bei einem erfahrenen Sportphysiotherapeuten, der schon mal einen ersten Befund und eine, wenn auch verspätete Primärversorgung durchführen kann. Wichtig im Anschluss sind nun eine lückenlose und schnelle Diagnostik und die kann nur vom Arzt durchgeführt werden, der die entsprechenden Mittel zur Verfügung hat. Steht die Diagnose sollten sofort die dementsprechenden Maßnahmen eingeleitet werden – eine Operation mit anschließender Reha oder die konservative Vorgehensweise mit sofortigen Beginn aufeinander abgestimmten Therapiemaßnahmen!

Oberstes Gebot im Sinne des Sportlers ist die optimale Ausheilung der Verletzung und die schnellste mögliche Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit und der Sporttauglichkeit!

Christian Pessel

Physiotherapeut & Sportphysiotherapeut des DOSB

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