Die Unterschiede beim Umknicktrauma des Sprunggelenkes

Die häufigste Verletzung des oberen Sprunggelenkes ist das Umknicktrauma. Hierbei kommt es zu einer Verdrehung des oberen Sprunggelenkes bei feststehender Fußsohle nach außen. Die Verletzungsfolgen sind aufgrund der Anatomie und der unterschiedlichen Fußstellungen während des Umknickens vielfältig. Das obere Sprunggelenk wird knöchern gebildet aus dem Schienbein, dem Wadenbein und dem Sprungbein. Die Bandstrukturen, die Stabilität verleihen, sind die drei Außenbänder, das Innenband und die vordere und hintere Syndesmose. Die mit Knorpel überzogenen Gelenkflächen des Innen- und Außenknöchels bilden eine Gabel, zwischen denen die große Gelenkfläche des Schienbeines mit dem Sprungbein wie über eine Halbkugel rollt. Die Spannung des Sprunggelenkes wird über die durch die Gelenkkapsel ziehenden Sehnen der Wadenmuskulatur erreicht.

Die Verletzungen:

Kapseldehnung, -Riss, Außenbanddehnung, -Teilruptur, -Riss, vordere, hintere Syndesmosedehnung, -Riss, Außenknöchelfraktur, knöcherner Bandausriss, Innenbanddehnung, -Stauchung, -Riss, Innenknöchel-fraktur, Bimalleolärfraktur, Sprungbeinkantenabsprengung, Knorpelverletzung, Knochenödem.

Da ist schon einiges möglich, wichtig, wie schon beim Innenband des Kniegelenkes, ist die Unterscheidung der Verletzungsgrade.

Allen Sprunggelenkverletzungen gleich ist der Belastungs-  und Bewegungsschmerz, je nach Verletzung unterschiedlich stark.  Nach dem Umknicken sollte zuerst gekühlt und fest gewickelt werden. Je nach Belastungsschmerzen ist Entlastung an Unterarmgehstöcken sinnvoll. Also, falls Ihr noch am Wochenende ins Krankenhaus fahren müsst, immer Gehstöcke mitgeben lassen. Wenn Ihr Sie nicht mehr braucht, kann man Sie ja in die Kabine legen, bis der Nächste mal vom Feld getragen werden muss. Ist eine Fraktur durch ein Röntgenbild ausgeschlossen, sollte sobald wie möglich eine Vorstellung beim Unfallchirurgen erfolgen. Ist nach zwei bis drei Tagen noch kein Bluterguss unter der Haut um den Außenknöchel zu erkennen, handelt es sich in den meisten Fällen um eine Dehnung des Kapselbandapparates. Denn, falls es zu einer Bandruptur gekommen wäre, blutet es aus den Bandstümpfen und das ist dann als blauer Fleck sichtbar.

Bei einer Dehnung ist meist ein Salbenverband, Kühlung und eine kurze Entlastungsphase ausreichend. Bei stärkeren Schmerzen und Schwellung ohne Bluterguss kann auch mal eine Sprunggelenkschiene durch die bessere Ruhigstellung schmerzlindernd wirken. Ist ein schmerzfreies normales gehen wieder möglich, kann das Training, zunächst Lauftraining, wieder aufgenommen werden - am besten mit einem Tapeverband.  Funktioniert das schmerzfrei, kann man auch wieder mit Ball und Zweikampfsituationen trainieren.

Findet sich nach einem Umknicktrauma ein Bluterguss um den Außenknöchel, dann muss mehr passiert sein: Fraktur, Teilruptur oder Riss einer Struktur aus der es bluten kann. Ist im Röntgenbild keine Fraktur erkennbar, sollte man noch auf den Abstand zwischen Schien- und Wadenbein achten, der, falls er vergrößert ist, eine Syndesmosen-verletzung anzeigen kann. Ist der Abstand normal, handelt es sich in der Regel um eine Außenbandverletzung. Früher hätte man noch gehaltene Aufnahmen gemacht, um zu sehen wie weit das Gelenk nach außen aufklappt, danach wurde dann entschieden, ob eine Bandnaht durchgeführt wird. Aktuell werden Außenbandverletzungen nicht mehr operiert egal wie viele der drei Außenbänder zerreißen. Meist ist es das vordere, selten anteilig das mittlere und so gut wie nie das hintere Band.

Es ist deshalb auch nicht sinnvoll eine Kernspinuntersuchung durchzuführen, da Sie keine therapeutische Konsequenz nach sich zeiht. Die Außenbandverletzung wird heute mit einer 5-6 Wochen dauernden Ruhigstellung in einer stabilen Sprunggelenkorthese behandelt: am Anfang unter Entlastung an Unterarmgehstöcken, die in der Regel nach ca. einer Woche weggelassen werden können. Eine sportliche Betätigung sollte für diesen Zeitraum vermieden werden auch nicht mit einem Tape. Es ist für die Zukunft wichtig, dass sich eine stabile Narbe bildet, die wieder voll belastbar ist. Also Trainingsbeginn erst wieder nach ca. sechs Wochen: am Anfang mit Tape und Lauftraining und Ball ohne Gegner um die Bewegungsabläufe erst wieder zu automatisieren.

Zeigt sich im Röntgenbild ein vergrößerter Abstand zwischen Schien und Wadenbein, muss eine Kernspinuntersuchung durchgeführt werden. Denn nur so kann eine Syndesmosenverletzung ausgeschlossen werden. Zeigt die Untersuchung eine Ruptur des Syndesmosenbandes, muss mit einer sogenannten Stellschraube das Schien und Wadenbein stabil für sechs Wochen miteinander verbunden werden, damit das Band sicher vernarben kann. Solange muss dann auch mit Gehstöcken entlastet werden. Ein Gips ist nicht notwendig.

Ein gutes vorbeugendes Training gegen Umknickverletzungen sind  proprioceptive Übungen. Ganz einfach für zu Hause: ein Sofakissen auf den Bodenlegen und mit einem Bein draufstellen, das andere Bein 90° in der Hüfte gebeugt halten und ausbalancieren, für geübte dann mit geschlossenen Augen. Hierbei wird die spannunggebende Wadenmuskulatur trainiert und die Rückmeldung der Nervenfasern in der Gelenkkapsel über die Gelenkstellung verbessert und damit ein schnelleres „Loslassen“ im Bein während des Umknickens ermöglicht.

Eine entspannte Winterpause und einen verletzungsfreien Start in die Rückrunde wünscht

Dr. med. Alexander Bruder

Schreibe einen Kommentar

  • (will not be published)