Das Schultergelenk – oft überfordert!?

Die Schulter ist eines der beweglichsten Gelenke im menschlichen Körper. Im Gegensatz zu vielen anderen Gelenken z.B. zum Hüftgelenk, gibt es hier keine tiefe Gelenkpfanne die den Kopf einnimmt und stabilisiert.

Hier halten Muskeln, Sehnen und Bänder den Kopf in der richtigen Position. Hauptstabilisator ist die so genannte Rotatorenmanschette die aus den folgenden Muskeln besteht:

•    M. Supraspinatus
•    M. Infraspinatus
•    M. Supscapularis
•    M. Teres minor

Sie sind dafür verantwortlich, dass im Idealfall des physiologischen Zusammenspiels  das Schultergelenk den größtmöglichen Freiheitsgrad erreichen kann. Somit ist schnell klar das ein rein weichteilgeführtes Gelenk, wie das Schultergelenk  bei zu schwacher und zu wenig beanspruchter Muskulatur in ihrer Funktion gestört wird und dekompensieren kann. Auf dem Nährboden dieser Muskulären Dysbalance  entsteht sehr häufig die Ursache für Schulterschmerzen. Nicht zu unterschätzen ist auch der erhebliche Einfluss des Haltungsbildes auf die Stellung des Schultergelenkes.

Erfahrungsgemäß spielt das komplexe Bewegungsbild eines Handballers im Sprungwurf höchste Anforderungen  an seinen Wurfarm auf der Basis eines exzellenten und stabilen Haltungshintergrundes und der Kontrollfunktion der antagonistischen (entgegenwirkenden/ Bewegungskontrollierenden)  Muskulatur. Die gute muskuläre Ausbalancierung und das koordinative Zusammenspiel zwischen Rumpf, Schultergürtel und Arm entscheiden letztlich auch über die Präzision und Treffsicherheit im Wurfbild, ist Haupt-verantwortlich für den optimalen Schutz des Schultergelenkes, die sichere Stützaktivität bei Bodenkontakt und bietet ein stabiles Widerlager bei entgegenwirkenden  Kräften; z.B. bei der Abwehraktion eines Torwartes im Fußball in der 1 gegen 1 Situation. oder dem Feldspieler der beim Zweikampf im Tackling auf dem Boden abrollen oder sich abstützen muss. Je stabiler sich Schultergürtel und Rumpf darstellen und je abgestimmter das muskuläre Zusammenspiel abläuft, umso weiniger Verletzungsanfäligkeit oder tatsächliche Verletzungen sind zu erwarten.

Sicher stehen für die Physiotherapie die Fehlhaltungen und muskulären Dysbalancen die sich oft als Grundursache herauskristallisieren im Vordergrund, lassen wir hier die traumatischen Ursachen mal außer Acht!

Wie entsteht eine muskuläre Dysbalance  bzw. Dysfunktion?

Durch unterschiedlich kräftige Muskeln wird der Oberarmkopf aus seiner Mitte herausgezogen uns zwar nach vorn oben. Hauptursache hierfür ist der auf der Schultervorderseite bei vielen Menschen dauerhaft verkürzte Brustmuskel (M. Pectoralis Major) und der Deltamuskel (M. Deltoideus), der den Kopf wie eine Kappe bedeckt. Er ist der wesentliche Muskel für die seitliche Armhebung und zieht den Oberarmkopf nach oben. Die Muskeln auf der Rückseite haben schon von Natur aus weniger Masse und nur einen Bruchteil an Kraft wie ihre Gegenspieler (Antagonisten) auf der Vorderseite. Hinzu kommt das unser Alltag so ausgerichtet ist das nahezu alle Aktivitäten zu Kräftigung des Deltamuskels und der Brustmuskulatur führen. Wird die Enge im Gelenk zu groß werden Schleimbeutel, Kapsel und besonders die Sehne des M. Supraspinatus, der sich seinen Weg unter dem Schulterdach bahnt, entzündlich gereizt, fasern auf und reißen im schlimmstem Fall.

Warnsignale?

Auch ein anfangs nur nadelstichartiger Schmerz der meist sofort wieder verschwindet sollte ernst genommen werden. Später können sich messerstichartige Schmerzen entwickeln die in den Oberarm ausstrahlen, ausgelöst durch lapidare Tätigkeiten wie das Lenkrad greifen oder ein Hemd anziehen, an eine sportliche Aktivität ist in diesem Stadium kaum noch zu denken. Typisch sind  auch nächtliche Ruheschmerzen vor allem wenn man auf der betroffenen Seite liegt. Ausstrahlende Schmerzen müssen von Funktionsstörungen der Halswirbelsäule abgegrenzt werden. Schmerzen die im Alltag oder in der sportartspezifischen Belastung entstehen bedürfen einer genauen physiotherapeutischen Befunderhebung und der ärztlichen Diagnostik.

Liegen keine strukturellen Schäden vor kann man mit gezielten physiotherapeutischen Maßnahmen und mit einem speziellen Krafttraining für Rumpf und Armmuskulatur oft sehr schnell Verbesserung erzielen.

Weitere Ursachen für Schulterschmerzen können sein:
-    Impingement Syndrom (Engpasssyndrom) der Schulter
-    Schädigung oder Riss der Rotatorenmanschette (Rotatorenmanschettenruptur)
-    Schultergelenkentzündung,
-    Schultersteife (Frozen Shoulder), auch Periarthritis humeroscapularis genannt
-    Gelenkverschleiß (Arthrose)
-    Brüche und Verletzungen
-    Verrenkung des Schultergelenks (Schulterluxation)
-    Sehnenentzündung
-    Schleimbeutelentzündung
-    Verspannungen im Schultergürtel, Bereichen der Wirbelsäule und des Kopfes

Christian Tewes

Physiotherapeut & Sportphysiotherapeut

Schreibe einen Kommentar

  • (will not be published)