Interview: Ralf Horst (Meister-Trainer Viktoria Kelsterbach in der Verbandsliga Mitte und Aufsteiger in die Hessenliga)

Viktoria Kelsterbach ist in der kommenden Saison der einzige Hessenligist aus dem Fußball-Kreis Main-Taunus. Nach den Aufstiegs-Feierlichkeiten unterhielt sich der Mittelkreis mit Meister-Trainer Ralf Horst.

Mittelkreis: Würdest Du uns zustimmen, wenn wir behaupten, dass es keinen verdienteren Meister als Viktoria Kelsterbach in dieser verbandsliga-Saison gegeben hat?

Ralf Horst: Ich sage mal so, wir haben die letzten Jahre hart dafür gearbeitet und sind diese Saison dafür belohnt worden. Ich finde schon sehr verdient, wenn man von 34. Spieltagen 22x die Tabelle angeführt hat, aber letztendlich ist es auch egal… Wir sind Meister und darauf sind wir richtig stolz.

Mittelkreis: Hättest Du diesen Erfolg nach dem knappen Scheitern in der Vorsaison erwartet?

Ralf Horst: Wenn ich ehrlich bin nicht. Wir hatten ein knappes scheitern in der Relegation zu verdauen und sind zwei Wochen nach der Relegation wieder in die Vorbereitung zur neuen Runde eingestiegen. Da hat man schon gemerkt, dass einige Jungs noch müde (vom Kopf her) waren. Dies übertrug sich auch auf die ersten Pflichtspiele, wo wir keine guten Leistungen zeigten. Der positive Wendepunkt war das Spiel gegen Oberliederbach zu Hause, ab diesem Zeitpunkt waren wir wieder die Viktoria, die wir alle aus den letzten Jahren kannten. Die Jungs haben sich zerrissen und haben alles reingeworfen, deswegen sind wir auch Meister geworden.

Mittelkreis: Kelsterbach hat seit Jahren an der Hessenliga gekratzt. Ist das das Ergebnis eurer konstanten Entwicklung?

Ralf Horst: Ich glaube schon, wir haben uns seit 2011 als TEAM überragend entwickelt und dafür hart gearbeitet. Wir konnten unseren Kader immer zu 80% zusammen halten und daher uns auch immer mehr einspielen. Da wir in Kelsterbach nicht die finanziellen Mittel haben wie viele andere Vereine, sind wir natürlich umso so stolzer so ein Erfolg feiern zu dürfen. Das ging aber nicht von heute auf morgen, sondern in vielen Schritten über die Jahre hinweg. In dieser Zeit hat sich generell der Verein sehr positiv entwickelt. Wir sind jetzt nicht mehr die graue Maus, sondern haben uns durch viel Arbeit des gesamten Vereins die letzten Jahre in ein positives Licht gerückt. Darauf sind wir ALLE (Vorstand, Jugend, Sponsoren, Gönner, Fans) sehr stolz. Dies bedeutet aber für uns auch nicht, dass wir jetzt unser Ziel erreicht haben und uns zurücklehnen. Im Gegenteil wir müssen/werden weiter unseren Weg gehen und mal schauen wie dieser weitergeht.

Mittelkreis: Wie fühlt man sich als „Meister von der Couch“ – immerhin ward ihr am letzten Spieltag spielfrei und musstet auf den Patzer von Ederbergland hoffen?

Ralf Horst: Man fühlt sich super. Wir hatten, wenn wir ehrlich sind, nicht unbedingt damit gerechnet, dass sich der FC Ederbergland dies noch nehmen lässt. Umso erfreulicher und überraschender war dann der Augenblick, als wie von der Niederlage erfuhren.

Mittelkreis: Wo und wie hast Du das Spiel von Ederbergland gegen Gießen verfolgt?

Ralf Horst: Ich war mit meiner Familie, Kai Horst und Christian Kreil beim Gruppenliga Spiel DJK Flörsheim gegen VFB Unterliederbach. Wir haben das Spiel in Ederbergland per Liveticker verfolgt und wir trauten unseren Augen nicht, als wir die Zwischenstände aus Ederbergland auf dem Handy mit bekamen.

Mittelkreis: Verrate uns etwas über die Meisterschafts-Feierlichkeiten: Wo und wie wurde gefeiert?

Ralf Horst: Wir haben dann spontan an dem 29.05.2016 im Vereinsheim gefeiert, bei der schon Spieler, Trainer, Vorstand, Jugend, Freunde, Bürgermeister, Sponsoren und Gönner eine richtige Hausnummer hingelegt haben. Diese endete spät am Abend im Tennisheim Kelsterbach. Die offizielle Meisterfeier gab es am vergangenen Samstag. Die Feier fand im Sportpark statt. Es war unbeschreiblich, diesen Tag werden wir ALLE nicht vergessen. Wir hatten über den Tag gesehen 350-400 Gäste, ob es Sponsoren, Freunde, Ex Spieler, MTK Verantwortliche, MTK Schiedsrichter, Presse, Gönner, Jugendspieler, Vertreter anderer MTK Vereine waren, alle kamen um mit der Mannschaft die Meisterschaft zu feiern. Diesen Rahmen hat sich die Mannschaft mehr als auch verdient.
In diesen Zusammenhang möchte ich mich auch nochmal bei den ganzen Leuten bedanken für die Glückwünsche, ob Persönlich, per Telefon, Email oder WhattsApp. Die Anzahl der Glückwünsche (weit über 200) zeigt uns dass wir in der Vergangenheit vieles gut gemacht haben und das macht uns mächtig stolz.

Mittelkreis: Und welcher Spieler hat dabei eine ganz besonders gute Figur gemacht?

Ralf Horst: Da gab es einige, aber Robert Brück und Dominique Groß waren da ganz weit vorne.

Mittelkreis: Wer ist für dich der Spieler der Saison – und bitte keine Floskel der Star ist die Mannschaft oder so etwas (augenzwinkernd)?

Ralf Horst: Für mich ist das keine Floskel, aber die komplette Mannschaft steht ganz klar im Vordergrund. Einige Spieler möchte ich trotzdem hervorheben. Natürlich ist Manuel May seit Jahren unser Leader und Kapitän und hat die Mannschaft mit seinen überragenden Leistungen geführt. Dominique Groß hat eine super Saison im Tor gespielt und war ein Garant für die Meisterschaft. Chris Krause, Marius Antinac und Marc Eichfelder, haben grandiose Spiele auf der Außenbahn abgeliefert. Die Innenverteidigung mit Tobi Fischer und Maxi Thomasberger waren die Basis für den Aufstieg. Mit deren jungen Alter so abgeklärt zu agieren: Hut ab!!! Julien Antinac unser Torjäger, der immer für das Team gerackert hat und 17 Tore erzielte. Dominic Machado, Robert Brück, Marcel Tschakert, Timo Gürtler und Jonas Scheitza als erfahrene Spieler die immer vorneweg gegangen sind und den Rest der Mannschaft in schwierigen Phasen mitgerissen haben.

Mittelkreis: Wie laufen die Planungen für die neue Saison in der Hessenliga?

Ralf Horst: Die Planungen laufen schon seit einigen Monaten zweigleisig. Es war eine schwierige Situation, da wir lange Zeit nicht wussten, in welcher Liga wir spielen werden. Wir haben momentan 3 Neuzugänge und möchten noch maximal 4 Spieler dazu holen. Aus dem aktuellen Kader bleiben uns 18 Spieler erhalten. Wie man sieht, bleiben wir wieder größtenteils zusammen. Wir sind aber auch nicht blauäugig und wissen dass die Hessenliga ein anderes Kaliber ist als die Verbandsliga, deswegen werden unsere Neuzugänge die wir schon präsentiert haben bzw. noch werden, zum größten Teil Hessenligaerfahrung aufweisen. Das ist die Arbeit, die wir als Verein noch von uns haben. Wir sind mit einigen Spielern in guten Gesprächen und werden die nächsten Tage hoffentlich Vollzug melden können. Eins ist aber auch klar, wir werden nicht von unseren Weg abgehen, d. h. wir werden/können/wollen Spieler nicht wegen dem finanziellen zur Viktoria holen, sondern nur solche Spieler die Bock haben, mit uns das Abenteuer Hessenliga anzugehen.

Mittelkreis: Wer kommt, bleibt und wer geht?

Ralf Horst: Bisher stehen Steve Wagner (TW), Tatsuya Fujioka (MF) und Leo Hasenstab als Neuzugänge fest. Alle drei absolute Wunschspieler, die uns definitiv verstärken werden. Es bleiben, wie oben schon erwähnt, 18x Spieler aus dem aktuellen Kader. Uns verlassen werden Robert Brück, Julien Antinac, Mohamed Bouhlafa, Quassim Bouzarzar, Marco Ippolito und Gerret Niederschlag. Besonders wehtun uns die Abgänge, von Robert, Julien und Momo. Alle drei sind seit Jahren den Weg mit uns gegangen. Sie haben viel für die Viktoria sportlich und auch menschlich geleistet. Dafür nochmal vielen Dank! Ich wünsche Allen Spielern weiterhin viel Erfolg uns alles Gute, Ihr seid bei der Viktoria in der Zukunft immer gern gesehene Gäste.

Mittelkreis: Auf welchen Positionen siehst du noch Bedarf?

Ralf Horst: Wir haben noch in allen Bereichen Bedarf, im Sturm aber hauptsächlich.

Mittelkreis: Der Saison-Endspurt hatte es in sich: Kelsterbach stieg erstmals in die Hessenliga auf, die Eintracht hat über die Relegation die Klasse gehalten. Wie hast du das denn alles ausgehalten als Coach von Kelsterbach und Fan der SGE?

Ralf Horst: Das ist eine gute Frage. Ich glaube schon dass mich der Saison Endspurt bisschen mitgenommen hat. Meine Familie hat da schon einiges ertragen müssen. Ich bin so der Typ der solche Situationen immer mit Leidenschaft und Herzblut begleitet, aber dann auch genau weiß wann ich abschalten muss um wieder neue Energie zu tanken. Dabei haben mir meine Familie und mein Trainer Team sehr geholfen. Bin natürlich sehr froh über das Ergebnis. Wir sind in der Hessenliga und die SGE weiterhin in der 1. Liga. Das sah vor paar Wochen nicht unbedingt danach aus.

Mittelkreis: Und wie sieht es nächste Saison aus, wie halten die Viktoria und die Eintracht die jeweils die Klasse?

Ralf Horst: Wir haben nur ein Ziel, das heißt Klassenerhalt. Wir werden ab dem 24.06.2016 (Vorbereitungsstart) alles dafür tun um dieses Ziel zu erreichen. Es wird viel Arbeit sein worauf wir unser aber auch sehr freuen. Wir werden einen Kader haben, der das Ziel realistisch erreichen kann. Wir sind krasser Außenseiter in der Hessenliga und müssen mehr arbeiten als die anderen Vereine und das werden wir mit aller Macht tun.
Die SGE wird auch nicht absteigen, da sie aus meiner Sicht einen überragenden Trainer hat, der akribisch arbeitet und einen klaren Weg eingeschlagen hat und diesen auch erfolgreich weitergehen wird.

1 Kommentar von "Interview: Ralf Horst (Meister-Trainer Viktoria Kelsterbach in der Verbandsliga Mitte und Aufsteiger in die Hessenliga)"

  1. MTK Kenner's Gravatar MTK Kenner
    10. Juni 2016 - 08:43 | Permalink

    Überragende Worte Ralf …

    Ihr habt es sowas von verdient das kann man in Worte nicht beschreiben … Ihr seid einfach nur ein geiles Team fertig aus und ich wünsche euch von Herzen einfach nur das Beste für das Abenteuer Hessenliga !!!

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