Interview: Mario Jung (Trainer SG Oberliederbach, Verbandsliga Mitte)

Mario Jung wechselte nach der abgelaufenen Saison von Gruppenligist Germania Weilbach zum Verbandsligisten SG Oberliederbach. Er stellte sich den Fragen des Mittelkreis.

Mittelkreis: Die Saison 2012/2013 ist Geschichte! Wie lautet Dein Fazit?

Mario Jung: Es war wirklich ein tolles Jahr, auch wenn wir in der letzten Saison immer mal wieder ein paar Nackenschläge hinnehmen mussten. Natürlich hat es geschmerzt, dass wir nicht beim Offensiv-Cup dabei waren und natürlich auch, dass wir es verpasst haben, mit einem Sieg am letzten Spieltag nach einer grandiosen Aufholjagd in der Rückrunde noch in die Relegation einzuziehen. Grundsätzlich haben wir aber alle Ziele, die wir uns vor der Saison gesetzt haben, erreicht. Wir wollten die Spieler weiterentwickeln und mindestens 60 Punkte holen.
Die Entwicklung der Spieler war sensationell. In meinen Augen sind alle Jungs taktisch und vor allem physisch einen großen Schritt nach vorne gegangen. Das betrifft in erster Linie die jungen Spieler, aber auch erfahrene „Haudegen“ wie z.B. Sebastian Metzger haben nach einer Durststrecke in den letzten Jahren wieder zu alter Stärke gefunden.
Natürlich hätte ich gerne am Ende noch mehr mitgenommen, aber der Fußball ist halt leider kein Wunschkonzert.

Mittelkreis: Was ist Dir aus der abgelaufenen Runde und den absolvierten Begegnungen positiv, was negativ im Gedächtnis geblieben?

Mario Jung: Negativ bleiben mir natürlich beide Spiele gegen die SG Hoechst im Kopf, die immer das letzte Spiel der jeweiligen Halbserie darstellten. Beim ersten Mal hat uns die SG Hoechst verdient geschlagen und uns damit den Platz beim Offensiv-Cup weggenommen. Beim Rückspiel hat eigentlich alles gepasst außer die Chancenverwertung. Obwohl wir in dem Jahr sehr viele Tore geschossen haben, hat es uns die mangelnde Chancenverwertung im letzten Spiel das Genick gebrochen. An der Stelle möchte ich meinem alten Weggefährten Jörg Hertenstein noch mal für das „Spiel seines Lebens“ gratulieren. Wer hätte gedacht, dass er nach seiner Rückkehr zwischen die Pfosten der SG Hoechst noch mal zu so einer Leistung fähig ist. Nur schade, dass es ausgerechnet gegen uns passieren musste…
Positiv bleibt mir zum Beispiel in Erinnerung, dass wir in der Rückrundentabelle den zweiten Platz geholt haben und das der beste Beweis für die positive Entwicklung der Truppe ist.

Mittelkreis: Und wer ist Dein Spieler der Saison?

Mario Jung: Eigentlich müsste ich an der Stelle den Sebastian Metzger anführen. Wer nach 7 Monaten ohne Spiel auf Anhieb 40 Tore schießt, hat da sicherlich ein Recht drauf. Aber es gibt noch mehr. Ein anderer Spieler ist in meinen Augen der Christoph Hame, den ich vor der Saison nicht kannte und mir als 5. Innenverteidiger angekündigt wurde. Er hat vielleicht den größten Sprung nach vorne gemacht.
Insgesamt muss ich aber sagen, dass mich ALLE Spieler, die bis zum letzten Spieltag dabei waren, überzeugt haben, aufgrund der Leidenschaft im Training und dem unbegrenzten Willen sich auch weiter entwickeln zu wollen. Ich hätte nicht gedacht, dass man in der Gruppenliga ein Team finden kann, dass so eine enorme Trainingsbeteiligung an den Tag legt.

Mittelkreis: Du bist nach Oberliederbach gewechselt, wie kam es dazu?

Mario Jung: Der sportliche Leiter Tobias Merz ist schon seit unserer gemeinsamen Zeit beim VfB Unterliederbach ein enger privater Freund. Wir haben uns in den letzten Jahren regelmäßig über Fußball ausgetauscht. Vor zwei Jahren, bevor ich als Co-Trainer nach Eschborn ging, stand der Wechsel schon mal zur Debatte, man kam aber noch nicht zusammen. Im Februar kam dann der Tobias auf mich zu und fragte, ob ich es mir dieses Jahr noch mal vorstellen könnte.
Grundsätzlich war ich in Weilbach sehr glücklich, weil das Team einfach super war. Nicht nur fußballerisch, sondern auch der Zusammenhalt rund um den Fußball war einzigartig. Fakt ist aber auch, dass die SG Oberliederbach die etwas besseren Rahmenbedingungen bietet und halt noch eine Liga höher spielt. Es gibt nur 2 oder 3 Vereine im MTK, bei denen ich hätte überlegen müssen, die Germania zu verlassen. Die SG Oberliederbach gehörte dazu und das Gesamtpaket für die neue Saison hat einfach auf den Punkt gestimmt.
Die Entscheidung war nicht gegen Weilbach, sondern für die SG Oberliederbach.
Trotz der frühen Bekanntgabe hatte ich noch eine schöne Zeit bis zum Schluss. Das Verhältnis zum Vorstand um Thomas Behmüller, Björn Schröter und Michael Schmidt, sowie meinen sportlichen Leiter Bernd Gruda war bis zum Ende auf freundschaftlicher Basis und jeder (außer ein paar Außenstehende) hatte Verständnis für meine Entscheidung.
Aber auch hier wieder ein Lob an die Mannschaft, die sich auch trotz meines Abschieds bis zum Ende einwandfrei verhalten hat.

Mittelkreis: Wie laufen die Planungen für die kommende Runde – welche personellen Änderungen gibt es bereits zu vermelden und wie wird eure Vorbereitung aussehen?

Mario Jung: Die Planungen sind schon lange abgeschlossen und verliefen sehr gut und effizient. Tobi und ich sind hier wie ein jahrelang eingespieltes Team aufgetreten und wir haben alle unsere Wunschspieler verpflichtet. Die geplante Verjüngung des Kaders ist problemlos vonstattengegangen. Natürlich ist es immer nicht schön, wenn man sich von Spielern trennen muss, aber wir wollten unbedingt einen Schnitt machen und die Mannschaft verjüngen. Alle Spieler bis auf Bülent Öztürk (auf meinen ausdrücklichen Wunsch), die älter waren als 30 Jahre, haben die Mannschaft verlassen. Dazu kam Zvonimir Pusic, den wir gerne gehalten hätten. Dafür haben wir aber 6 neue Spieler aus der Gruppenliga geholt, die letztes Jahr in der Gruppenliga eine gute Rolle gespielt haben. 5 dieser Spieler (Ronny Zimmer, Christoph Hame, Sebastian Hirschle, Cem Bektas, Andreas Scherer) sind unter 23 Jahren und bringen fußballerisch gute Voraussetzungen mit. Dazu kommt Daniel Vagt, der privat in Oberliederbach sesshaft wurde und genau in unsere Kaderplanung gepasst hat. Außerdem Paolo Ianotta ein junger Spieler, der letztes Jahr schon beim VfB Unterliederbach in der Verbandsliga Mitte aktiv war. Jetzt sind wir fast auf jeder Position doppelt besetzt und können auch mal den einen oder anderen Ausfall von Leistungsträgern kompensieren.
Die Vorbereitung wird bis jetzt sehr gut angenommen. Natürlich ist die Belastung hoch, aber schon jetzt ist zu erkennen, dass sich die Jungs wirklich verbessern wollen. Taktische Einheiten werden aufgesaugt und die Jungs fangen auch schon an, das eine oder andere zu umzusetzen. Da wir bis auf 3 Einheiten alle auf dem Platz machen, bilde ich mir ein, dass die meisten Spieler trotz schwerer Beine mit einem Lächeln ins Training kommen.

Mittelkreis: Was wünschst Du Dir für die kommende Saison im Bezug auf Deine Mannschaft und den gesamten Verein? Wie wird die Zielsetzung aussehen?

Mario Jung: Mein größtes Ziel ist es, der Mannschaft mehr Stabilität zu geben. Nach vorne muss ich nicht viel verbessern. Es ist sofort zu sehen, dass die Jungs nach vorne eine unglaubliche Qualität, Geschwindigkeit und Kreativität mitbringen und nebenbei durch die letzte Saison relativ eingespielt sind. Da ärgert es uns natürlich, dass der Anit Keskin aufgrund eines Meniskusschadens monatelang ausfallen wird. Aber auch der Cem Bektas wird die Rolle nach ein paar Wochen gut übernehmen können.
In der Defensive sieht das etwas anders aus. Über 70 Gegentore in der letzten Saison sprechen eine deutliche Sprache. Im ersten Jahr wäre es ein Erfolg, diese Marke auf 45-50 Gegentore zu senken. Wenn wir nach vorne die gleiche Durchschlagskraft behalten, werden wir automatisch einen ordentlichen Tabellenplatz erreichen.
Die Integration der ganzen jungen Spieler aus der Gruppenliga in die Verbandsliga wird am Anfang seine Zeit brauchen und sicherlich aufgrund des harten Auftaktprogramms und mangelnder Erfahrung einige Punkte kosten. Unsere Zielsetzung ist es, den Zuschauern in Oberliederbach einen attraktiven und leidenschaftlichen Fußball zu zeigen und am Ende irgendwo knapp hinter den Favoriten (Platz 6-9) aufzuschlagen.
Ich denke, dass wir bis Ende September brauchen werden, bis alles aufeinander eingespielt ist, aber danach werden wir sicherlich auch den einen oder anderen Favoriten ärgern können. Des Weiteren hoffe ich natürlich, dass wir viel Spaß haben werden, weil ohne Spaß macht Amateurfußball keinen Sinn. Nach knapp 2 Wochen kann ich aber jetzt schon sagen, dass der Spaß nicht das große Problem in Oberliederbach wird…

1 Kommentar von "Interview: Mario Jung (Trainer SG Oberliederbach, Verbandsliga Mitte)"

  1. Hans's Gravatar Hans
    15. Juli 2013 - 22:01 | Permalink

    Hauptsache Stammplatz für „Mr. Elfmeter“ Denny Piazza!!!

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