Interview: Turgut Danismaz (ehemaliger Trainer Germania Okriftel, KOL MTK)

Update: Das Interview wurde auf Wunsch von Interviewpartner Turgut Danizmaz im Vergleich zum Ausgangsinterview an zwei Stellen verändert!

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Turgut Danismaz und Germania Okriftel – das gehörte jahrelang zusammen. Erst war er lange Spieler, Torjäger und Leistungsträger bei der Germania, dann lange Jahre Trainer. Bis er vergangene Woche überraschend entlassen wurde. Der Mittelkreis sprach mit Turgut Danismaz.

Mittelkreis: Sie sind nicht mehr Trainer bei Germania Okriftel. Wie kam es zur Trennung?

Turgut Danismaz: Ja, das ist richtig seit 10.10. bin ich kein Trainer mehr.
Nach dem Spiel gegen Türk Hattersheim hat mich der Sportliche Leiter und Co-Trainer in einer Person, Reinhard Jung, und Spielausschuss-Mitglied Milan Divjak zu einem Gespräch vor dem Training gebeten. Zunächst wurde ich gefragt, wieso bei uns in der Mannschaft mehr Türken in der Startelf waren als bei Türk Hattersheim. Meine Erklärung war schon vor dem Spiel so, dass ich die 11 besten Spieler für das Spiel stellen wollte, damit ich das Spiel auch versuchen werde, zu gewinnen.
Draufhin wurde ich hingewiesen, dass ich eine gewisse „Spieler Quote“ zu erfüllten hätte, der ich nicht nach gekommen bin. Daraufhin habe ich dem sportlichen Leiter gesagt, dass er diese Auflage bitte der Mannschaft später in der Spielersitzung nach dem Training bekannt geben soll.
Nach dem Training und vor der Spielersitzung habe ich den Sportlichen Leiter zwei Mal gebeten, es zu verkünden und bekannt zu geben. Er verneinte dies, und hat mir den Auftrag erteilt, es in der Sitzung zu sagen, dass ab sofort mindestens 3 deutsche Spieler mit deutschen Namen in der Startelf stehen müssen! Egal, ob die Sportliche Leistung das berechtigt oder nicht!
Daraufhin kam es in der Spielersitzung zum Eklat mit der Mannschaft! Hier revidierte der Sportliche Leiter diese Forderung und übergab die Entscheidungen über die Aufstellung mir zurück. Daraufhin hat sich die Mannschaft beraten, wie es diesbezüglich weiter gehen sollte. Ich habe hierzu, bevor sich die Mannschaft beraten wollte, gesagt, dass ich egal wie die Entscheidung ausfällt, überlege vor dem Spiel bereits zurückzutreten! Nach der Spielersitzung hat sich die Mannschaft beraten, wie sie diese Entscheidung akzeptieren wollte. Nach der kurzen Beratung kam die Mannschaft zurück und sagte, dass sie solche Entscheidungen vom Verein nicht akzeptieren will und bis zur Winterpause weiter für den Verein und mit dem Trainer spielen wollen. Wie es im Winter dann ausgegangen wäre, denke ich wäre jeden Spieler selbstüberlassen gewesen – den Weg des Vereins so mit zu gehen oder nicht.
Am darauffolgenden Sonntag vor dem Spiel in Wildsachsen hat sich die Mannschaft mit mir getroffen und dafür ausgesprochen, dass wir auf alle Fälle antreten werden und versuchen würde, zu gewinnen.

Mittelkreis: Erzählen Sie uns doch kurz, wie lange sie bei der Germania in welchen Funktionen aktiv waren:

Turgut Danismaz: Ich bin in der Saison 1994/ 1995 als Spieler zur Germania gewechselt, damals von Italia Hattersheim.
Ich habe bis 2006 als Spieler gespielt – erfolgreich oder nicht – sollen anderen beurteilen. Und in der Saison 2006/2007 wurde ich zugleich Spielausschussvorsitzender. Sportlicher Leiter damals war Alexander Schwartz.
Im Jahr 2007 wurde ich dann sogar Spielertrainer. Das habe ich bis 2010 ausgeübt. Ab 2010 war ich dann ausschließlich nur Trainer und habe ab und an, wenn Not am Mann war, sogar selbst noch gespielt.

Mittelkreis: Germania und Turgut Danismaz, das gehörte über viele Jahre zusammen. Wie fühlt man sich nach einer solchen Trennung?

Turgut Danismaz: Die Germania war mein Leben, meine Familie zugleich. Ich habe hier in dieser Zeit sehr viele Freunde kennenlernen dürfen, mit denen ich sehr gute Freundschaften aufgebaut habe. Es tut mir im Herzen weh, wenn ich sehe, welche Entwicklung der Verein aktuell nimmt. Gleichzeitig bin ich von der Entscheidung so getroffen worden, dass ich denke, so einen Abhang nicht verdient zu haben, für das was ich alles bisher in meinem Leben für den Verein geleistet habe.
Selbst meine Familie war absolut schockiert nach der Trennung. Es wurde einfach so ausgesprochen – man hat mir quasi das Messer ins Herz gerammt!

Mittelkreis: Können Sie die Gründe für ihre Entlassung erklären, oder gibt es aus Ihrer Sicht vielleicht sogar andere Gründe?

Turgut Danismaz: Die Erklärung habe ich ja bereits oben genannt zum Teil. Ich möchte hierbei nochmal ausdrücklich erwähnen, dass ich egal welche Nationalität ein Spieler oder ein Mensch hat, dass recht hat korrekt und mit Respekt behandelt zu werden.
Ich bin hier in Deutschland selbst geboren und aufgewachsen, deutscher Staatsbürger, und finde es sehr sehr traurig das eine Person kommt und irgendwelche Forderungen in Richtung Aufstellung gibt, die nach Länderhekunft gehen soll. Nicht umsonst werben der DFB und der HFV, für Integration und sportlichen fairen Wettbewerb!
Leider konnte ich diese Werte nicht weiter ausführen.

Mittelkreis: Wie bewerten Sie die Situation, dass am vergangenen Spieltag weder die 1. noch die 2. Mannschaft antreten konnten?

Turgut Danismaz: Ich finde es für den gesamten Verein sehr, sehr schade. Aber es war abzusehen, dass nach diesen Äußerungen und Aussagen – fast alle Spieler – diesen nicht Weg nicht mitgehen und auch nicht akzeptieren wollen. Wie es bei Germania Okriftel nun weiter gehen soll, kann und will ich auch ehrlich gesagt nicht beurteilen. Ich hoffe nur, dass nach solchen Eskapaden der Verein die richtigen Schlüsse zieht und eventuell weitere Konsequenzen ziehen wird.

Mittelkreis: Wird man Sie bei den kommenden Spielen der Germania als Zuschauer sehen, oder gehen sie erst einmal auf Abstand?

Turgut Danismaz: Da ich bei der Germania noch ettliche Freunde habe, werde ich mir sicherlich das ein oder andere spiel anschauen.

Mittelkreis: Was macht Turgut Danismaz nach so vielen Jahren bei der Germania nun und sind sie schon bereit für einen neuen Trainerjob?

Turgut Danismaz: Erstmal werde ich die ganze Situation sacken lassen, mich ein wenig um meine Familie, meinen Garten und meine Kneipe kümmern. Vielleicht schaue ich auch mal bei einigen Wegbegleitern auf deren Sportplätzen vorbei und freue mich zusammen mit ihnen, wenn sie sportlichen Erfolg haben. Ich denke, dass ich vor dem Sommer erstmal keinen Trainer-Job annehmen werde und meine Akkus aufladen werde.

1 Kommentar von "Interview: Turgut Danismaz (ehemaliger Trainer Germania Okriftel, KOL MTK)"

  1. Brennan's Gravatar Brennan
    17. Oktober 2017 - 08:18 | Permalink

    Was für eine Scheiße ist das denn? Kaum ist die AfD im Bundestag, kommen jetzt die Braunen Gefühle beim Okriftler Vorstand + Sponsoren? Diese scheiße hat im Sport nichts zu suchen, wo nur die Leistung zählen sollte! Kenne die Spieler + den Trainer nicht, aber Respekt und völlig richtig verhalten! Wer diese Idee hatte muss angezeigt werden!

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