Interview mit BFV-Schiedsrichterobmann Rudolf Stark zur „Gewalt gegen Schiedsrichter in Bayern“

Erst vor wenigen Tagen wurde ein Linienrichter bei einem Amateurspiel in Holland zu Tode geprügelt. Auch in Bayern wird über das Thema Gewalt im Amateurfußball und Gewalt gegen Schiedsrichter diskutiert.

Rudolf Stark, Verbands-Schiedsrichterobmann des Bayerischen Fußball-Verbandes, hat im BFV-Interview Stellung zur aktuellen Situation in Bayern, dem Schiedsrichterrückgang, den Rücktritten der Dachauer Schiedsrichterfunktionäre und den Maßnahmen des BFV.

Herr Stark, wie schätzen Sie die aktuelle Situation in Bayern ein?

Rudolf Stark: Die Fakten belegen, dass die Anzahl der Vorfälle gegen Schiedsrichter in Bayern nicht zugenommen hat, aber wenn etwas passiert, die Intensität deutlich gestiegen ist. Wo früher noch Worte gefallen sind, kommt es heute schneller zu körperlichen Angriffen. Das erleben wir leider ja auch generell in unserer Gesellschaft. Die Gewaltbereitschaft nimmt zu, körperliche Auseinandersetzungen werden brutaler. Beleidigungen und Tätlichkeiten gegen Schiedsrichter sind nicht hinnehmbar, da ist jeder Fall schon ein Fall zu viel. Ohne Schiedsrichter wäre der Spielbetrieb gar nicht möglich. Wir müssen uns deshalb alle gemeinsam, Verband, Vereine, Trainer, Spieler, Schiedsrichter und Zuschauer noch mehr für Respekt und Fairness im Fußball einsetzen.

Seit 2011 sind die Schiedsrichterzahlen in Bayern rückläufig. Welche Rolle spielen dabei Angriffe gegen Schiedsrichter und Meldungen wie aus Holland, wo ein Linienrichter bei einem Amateurspiel zu Tode geprügelt wurde?

Rudolf Stark: Um das herauszufinden, haben wir zusammen mit dem DFB eine wissenschaftliche Studie in Auftrag gegeben. Denn was objektiv und belegbar die Gründe für den Rückgang sind, obwohl wir große Anstrengungen in den Schiedsrichtergruppen unternehmen und zahlreiche Neulingskurse und Fortbildungsangebote organisieren, ist bisher nicht genau festzustellen. Vorfälle wie in Holland lösen aber natürlich auch bei unseren Schiedsrichtern Ängste aus. Und jede Tätlichkeit, die in Bayern passiert, macht es nicht einfacher, Menschen für das Amt des Schiedsrichters zu gewinnen.

Die beiden führenden Funktionäre der Schiedsrichtergruppe Dachau sind zurückgetreten und wollten damit den BFV „wachrütteln“. Haben Sie dafür Verständnis?

Rudolf Stark: Zunächst einmal finde ich es schade, dass beide offenbar nicht mehr gewillt waren, weiter Verantwortung in der Schiedsrichtergruppe zu übernehmen. Beim BFV muss aber niemand wachgerüttelt werden. Wir beschäftigen uns doch nicht erst seit dem Rücktritt mit dem Thema Gewalt gegen Schiedsrichter. Die beiden zurückgetretenen Obmänner haben bis heute statt tragfähiger Lösungsansätze leider ausschließlich öffentlichkeitswirksame pauschale Anschuldigungen vorgetragen. Die helfen in der Sache aber überhaupt nicht weiter, sondern schaden der Gemeinschaft der 16.000 bayerischen Schiedsrichter und dem Amateurfußball insgesamt. Wir wollen zum lösungsorientierten Arbeiten zurückkehren und unsere Projekte und Maßnahmen gegen Gewalt und für Fairplay und Respekt weiter verfolgen und ausbauen. Da sind die gesamte bayerische Schiedsrichterführung, das BFV-Präsidium, der oberbayerische Bezirks-Schiedsrichterobmann und auch der neue Dachauer Schiedsrichterobmann Willem Bokhorst völlig einer Meinung.

Was unternimmt der BFV denn jetzt schon, um Gewalt gegen Schiedsrichter zu verhindern?

Rudolf Stark: Wir fangen mit der Prävention schon im Jugendfußball an, gehen zum Beispiel mit der Kampagne „Keine Gewalt im Jugendbereich“ über die Kids direkt auf die Eltern zu, appellieren an ihre Vorbildfunktion und werben für einen respektvollen Umgang mit dem Gegner und dem Schiedsrichter. Im Erwachsenenbereich tragen unsere Unparteiischen bei der Schiedsrichter-Aktion „Gemeinsam und Fair“ ein großes Logo auf dem Ärmel, die Vereine machen Stadiondurchsagen und die Mannschaften laufen mit einem großen Banner gegen Gewalt auf den Platz ein. Bei Spielgruppentagungen, Turnieren und Schulungen werben wir für mehr Respekt und Rücksichtnahme. Wir teilen gerade bei brisanten Spielen erfahrene Schiedsrichter ein und unterstützen unsere jungen Nachwuchstalente bei ihren Einsätzen immer wieder mit Betreuern. Die BFV-Konfliktmanager versuchen, bei sich anbahnenden Problemen in Vereinen zu vermitteln und Spannungen abzubauen. Wenn es bereits zu einer Tätlichkeit gekommen ist, gibt es seit zwei Jahren die Vorgabe an alle bayerischen Schiedsrichterobmänner, auch den Verbands-Schiedsrichterausschuss und mich als Vorsitzenden zu informieren, damit wir auch nach so einem Fall unterstützend tätig werden können. Wir lassen unsere Schiedsrichter nicht im Stich. Für die Bestrafung der Täter ist dann die unabhängige Sportgerichtsbarkeit des BFV zuständig.

Welche zusätzlichen Maßnahmen sind geplant?

Rudolf Stark: Neben der wissenschaftlichen Studie zum Schiedsrichterrückgang hat der BFV-Vorstand bereits im September beschlossen, die Kampagne „Pro Amateurfußball“ um den Schwerpunkt „Schiedsrichter“ zu erweitern. In dieser neuen Arbeitsgruppe setzen wir uns auch intensiv mit Gewalt gegen Schiedsrichter auseinander und wollen zusätzliche Lösungsansätze entwickeln, um unsere Schiedsrichter noch besser zu unterstützen. Da spielt sicher auch das Thema Kommunikation mit den Vereinen eine wichtige Rolle. In Oberbayern trifft sich noch im Dezember eine Arbeitsgruppe zur Zukunft des Münchner Amateurfußballs, an der auch der neue Dachauer Obmann teilnimmt. Und im Januar kommen alle oberbayerischen Schiedsrichterobleute zu einer Klausurtagung zusammen.

Das Eintrittsalter für Schiedsrichter liegt in Bayern bei 14 Jahren. Werden die Nachwuchsschiedsrichter zu früh mit der teilweise harten Realität auf den Fußballplätzen konfrontiert?

Rudolf Stark: Ich denke, grundsätzlich nicht. Warum soll man mit 14 noch nicht Schiedsrichter sein können? Entscheidend sind doch drei Punkte: Die jungen Schiedsrichteranwärter müssen vernünftig ausgebildet, nach der Prüfung gerade bei den ersten Spielen mit Bedacht eingeteilt und vor allem auch von erfahrenen Betreuern begleitet und unterstützt werden.

(Quelle: Thomas Müther Pressesprecher / Leiter Kommunikation BFV)

1 Kommentar von "Interview mit BFV-Schiedsrichterobmann Rudolf Stark zur „Gewalt gegen Schiedsrichter in Bayern“"

  1. oswald spengler's Gravatar oswald spengler
    7. Juni 2013 - 13:33 | Permalink

    Das ist politisch korrektes Geschwätz. Jeder weiß, dass es unhaltbare Zustände sind, die sowohl Schiedsrichter, als Kinder und Eltern mittlerweile abschrecken, diesen einstmals schönen Sport nachzugehen.
    Auch wenn jetzt wieder die Nazikeule kommt: als aktiver habe ich ungezählte Schlägereien, Bedrohungen und Angriffe gegen Schiedsrichter, Spieler und Zuschauer vor allem aus Migrantenvereinen erlebt. Die Zahlen, die im BFV genannt werden sind mit 0,048% aller Spiele der blanke Hohn. Dann müsste ich als Spieler rein zufällig die meisten Ausschreitungen mitbekommen haben.

    Es ist aber auch klar, dass viele Migrantenvereine mit den Konsulaten eng verbandelt sind. Und wenn die Wahrheit gesagt wird, dann wird politischer Druck auf die Verbandsrfunktionöre ausgeübt.

    Die Gewalt und Unsportlichkeiten auf dem Platz aus bestimmen Kulturen war ein Grund weshalb nicht nur ich nach Jahrzehnten des aktiven Spielens aufgehört hat und viele Schiedrichter taten es nach, bzw. nehmen diesen Posten gar nicht erst wahr. Meine Kinder üben natürlich andere Sportarten aus, in denen Respekt vor dem Gegner noch beachtet wird.

    Ihr Funktionäre werden Studien in Auftrag geben, in denen die Fragen schon so gestellt sind, dass sie die Wahrheit über Migrantengewalt nicht deutlich werden darf.

    Viel Spaß bei Euren Studien.
    Und Danke an den BFV für diese unhaltbaren Zustände.

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