Kreisliga AB: „…dann landet man in einem Haifischbecken […]“ – Interview mit Christian Appel (Eintracht Leidersbach)

Eintracht Leidersbach ist aufgrund der letztjährigen Meisterschaft in der Kreisklasse AB 2 in die Kreisliga AB aufgestiegen und hat nun die ersten Partien in der neuen Liga absolviert. Wir unterhielten uns mit dem Sportlichen Leiter der Leidersbacher – Christian Appel – der ein erstes Resümee zog, auf die kommenden Aufgaben blickte und uns seine Meinung zur verschärften Abstiegsregelung in der „Eliteklasse des Kreises“ mitteilte.

Mittelkreis: Servus Christian. Eure Mannschaft hat die ersten 4 Spiele in der Kreisliga AB absolviert und am vergangenen Sonntag auswärts beim VfR Goldbach den wichtigen 1. Saisonsieg eingefahren. Wie lief die Partie und wie zufrieden bist Du mit den bisherigen Resultaten und den gezeigten Leistungen deiner Elf?

Christian Appel: Das Spiel in Röllfeld (1:3) war von unserer Seite nicht gut, da fehlten bei uns auch noch drei, vier ganz wichtige Spieler, die für die Stabilität der Mannschaft wichtig sind. In Großostheim (1:1) und jetzt in Goldbach (2:1) waren wir jeweils die bessere Mannschaft, auch beim Heimspiel gegen Schweinheim (2:5) ließ sich das ganz gut an, hier zahlten wir aber kräftig Lehrgeld, verschossen einen Elfmeter und wurden zum Ende dann eiskalt ausgekontert. Nach den Spielverläufen fehlen uns die zwei Punkte aus Großostheim, denn wenn man nach überlegenem Spiel in der 89. Minute das 1:0 schießt, dann muss man nicht zwingend im Gegenzug den überflüssigen Ausgleich kassieren. Mit den gezeigten Leistungen bin ich recht zufrieden, zumal man auch merkt, dass die Jungs sich gerade akklimatisieren. Wie gesagt, mit sechs Punkten aus den vier Spielen wären die Leistungen relativ gerecht bewertet. In Goldbach haben wir hochverdient die Punkte mitgenommen, weil wir über 80, 85 Minuten das Spiel gemacht und es versäumt haben, schon frühzeitig den Sack zuzumachen. Erst in den Schlussminuten, als Goldbach alles nach vorne warf, kam die Erinnerung an Großostheim auf. Aber wir haben die Konzentration bis zum Schlusspfiff bewahrt.

Mittelkreis: Was muss das Team noch besser machen, was klappt momentan schon ganz gut?

Christian Appel: Wir haben eine junge Mannschaft, die sich stetig entwickeln will und soll. Jedes Spiel in der Kreisliga ist momentan eine neue Erfahrung. Wir müssen definitiv noch effektiver werden beim Ausspielen unserer Angriffe. Momentan brauchen wir noch zu viele Chancen für ein Tor. Auch im Spiel gegen den Ball haben wir Entwicklungspotenzial. Aber ich bin sehr zuversichtlich, dass wir da auf einem guten Weg sind. Wir peilen 40 Punkte an, bei 28 Spielen insgesamt bedeutet das, dass man jedes 2. Spiel gewinnen muss, um am Ende die Klasse zu halten. Daher sehe ich eine hohe Effektivität und eine möglichst geringe Fehlerquote, vor allem im Spielaufbau, als elementar wichtige Eigenschaften einer erfolgreichen Spielweise an.

Mittelkreis: Wie groß ist deiner Meinung nach der Sprung von der Kreisklasse in die Kreisliga und wo sind hier vor allem die Unterschiede?

Christian Appel: Der Unterschied ist schon sehr deutlich. Zunächst fällt auf, dass Fehler hier viel schneller und konsequenter bestraft werden als in der Kreisklasse. Man kann es sich nicht erlauben, eine Viertelstunde abzuschalten. Reichen in der Kreisklasse oft drei, vier Schlüsselspieler, so muss nun die Mannschaft als solche funktionieren, um erfolgreich zu sein. Die guten Spieler bringen hier dann die besonderen Effekte ein, aber die grundsätzlichen Dinge bedürfen der Mithilfe aller Spieler. Wer die Spiele der Kreisliga tippen soll, der ist eigentlich eine arme Sau: Jeder kann Jeden schlagen, am Sonntagabend wundert man sich dann immer über die Ergebnisse, die garantiert anders ausgefallen sind, als man sich das vorher gedacht hatte.

Mir liegt aber noch etwas Grundsätzliches auf dem Herzen:
Es ist ja zunächst nicht einfach, aus der Kreisklasse mal rauszukommen und wenn man es dann geschafft hat, dann landet man in einem Haifischbecken, aus dem etwa ein Drittel der Mannschaften am Ende der Saison wieder nach unten durchgereicht wird. Vielen Mannschaften droht bei einem personellen Umbruch oder bei Verletzungspech relativ schnell der Absturz, insofern darf man sich da nicht viel erlauben. Ich sehe diese Konstellation sehr kritisch, denn mit diesem verschärften Abstieg züchtet man sich von Verbandsseite künstlich eine Liga, deren Vereine sich immer mehr auch mit Hilfe des Geldes ihren Platz darin sichern. Dies geht natürlich zu Lasten der Vereine, die auf den eigenen Nachwuchs setzen. Für mich stellt sich die Frage, warum die Eliteklasse des Kreises nicht mit mehr als 15 Teams spielen kann. Da wird die Angst vor eventuellen Absteigern aus der Bezirksliga oder vor einem harten Winter mit daraus folgenden Terminschwierigkeiten über die Entwicklung von ganzen Vereinen gestellt. Das ist aus meiner Sicht – weil man das ja dauerhaft praktiziert – schlecht für den Fußball in der Breite in unserer Region. Von Seiten der Organisation und dem Willen, alles termingerecht „durchzubringen“, kann ich das schon nachvollziehen. Aber: Muss es sein, dass praktisch bis zum letzten Spieltag noch zehn Mannschaften gegen den Abstieg spielen?

Mittelkreis: Gibt es schon einen Spieler, der dich bisher am Positivsten überrascht hat und wenn ja, warum?

Christian Appel: Wir sind nach vier Spielen noch nicht an dem Punkt, an dem wir Spieler herausheben können oder wollen. Wir arbeiten im Team und das hat absolute Priorität, sowohl auf dem Feld als auch außerhalb. Aber mir hat schon ziemlich viel gut gefallen, was unsere Mannschaft gezeigt hat, vor allem in Großostheim und in Goldbach. Das Schweinheim-Spiel habe ich urlaubsbedingt verpasst, aber auch da wurde der Mannschaft eine gute Leistung – leider mit einigen Fehlern – attestiert. Wenn es unseren Trainern Tobias Väth und Sebastian Feyh gelingt, die bisherigen Leistungen zu stabilisieren und weiterzuentwickeln, dann bin ich total davon überzeugt, dass wir unser Saisonziel erreichen werden.

Mittelkreis: Abschließend: Am Sonntag empfangt Ihr zuhause Germania Dettingen. Peilt ihr hier den ersten Heimsieg an, oder wäret ihr auch mit einer Punkteteilung zufrieden?

Christian Appel: Grundsätzlich können wir kein Unentschieden. Außerdem haben wir das Selbstvertrauen, dass wir in jedes Spiel mit der Zielsetzung „drei Punkte“ gehen, gerade zuhause in unserem für die Gegner doch noch recht ungewohnten „Steinbruch-Ambiente“, . Alles andere wäre gegen das Naturell unserer Mannschaft, die immer nach vorne spielen will. Dettingen wird eine verdammt harte Nuss, aber ich denke, wir wachsen auch an den Aufgaben, die der Spielplan uns vorsetzt. Mit einer engagierten und konzentrierten Leistung wie in Goldbach bin ich da ganz zuversichtlich. Ich freue mich jedenfalls auf jedes Spiel unserer Jungs!

Mittelkreis: Danke für das Interview und viel Glück für die Runde!

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