Kreisklasse AB 2: „Meisterschaft und Aufstieg dürfen Ansporn sein, aber kein Ruhekissen“ – Interview mit Christian Appel (Sportlicher Leiter Eintracht Leidersbach)

Eintracht Leidersbach kann auf eine tolle Saison 2012/2013 zurückblicken – man wurde der Favoritenrolle gerecht und konnte die Meisterschaft in der Kreisklasse AB 2 einfahren und der damit verbundene Aufstieg in die Kreisliga AB wurde gebührend gefeiert. Wir unterhielten uns ausführlich mit dem Sportlichen Leiter der Eintracht – Christian Appel – über die absolvierte Meistersaison, die Veränderungen in der Mannschaft und die Ziele für die Kreisliga.

Mittelkreis: Die Saison 2012/2013 – eure Meistersaison – ist Geschichte! Was ist dein Saisonfazit eurer Mannschaft in der Kreisklasse AB 2?

Christian Appel: Mir ist ein Spieljahr haften geblieben, welches für uns nie langweilig, teilweise turbulent war. Vom ersten Tag der Vorbereitung an war das Ziel, in diesem Jahr den Aufstieg schaffen zu wollen. Dabei war unsere Einschätzung, dass die Kreisklasse mindestens fünf, sechs Mannschaften beheimatet, die um den Meistertitel mitspielen werden. Ganz zuerst hatten wir hier mit den Mannschaften aus Gailbach, Vatan Spor und Stockstadt gerechnet, auch die Nilkheimer hatten wir nach einigen Verstärkungen und dem Titel bei der Stadtmeisterschaft auf der Rechnung. Mömlingen hat sich dann als schärfster Konkurrent herauskristallisiert, nachdem man doch mit reichlich Understatement, was die Zielsetzung betrifft, in die Saison gegangen war. Unser großer Trumpf waren der tolle Teamgeist und der große, ausgeglichene Kader, der es uns ermöglichte, eine sehr konstante Saison zu spielen. Auch der Spielplan war rückblickend im Prinzip günstig für uns, denn wir hatten ein sich stetig steigerndes Programm zu absolvieren. So konnten wir zu Beginn acht Siege einfahren, bevor wir durch drei Heimniederlagen binnen drei Wochen auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt wurden. Damit waren wir ab Ende Oktober hinter den ebenfalls konstant spielenden Mömlingern und knapp vor den ebenfalls ein hohes Niveau haltenden Nilkheimern und Vatanern in der Verfolgerrolle. Wir wussten, dass wir nach dem „schwarzen Oktober“ jetzt nichts mehr liegen lassen durften. Das Spiel in Sulzbach, bei dem eine halbe Mannschaft verletzungsbedingt fehlte, und vor allem das grandiose Finish im folgenden Heimspiel gegen Nilkheim, als wir in der Nachspielzeit von 0:1 auf 2:1 umstellten, waren für die Moral der Mannschaft extrem wichtig und kameradschaftliche Highlights. Diese beiden Spiele waren die Grundlage für eine weitere Serie von elf Siegen, die erst am 28. April mit dem 0:2 bei Vatan Spor – unserer schwächsten Saisonleistung – endete. Auch wenn unser Weg rückblickend souverän wirkt: Im Prinzip konnten wir in der Rückrunde nie personell aus dem Vollen schöpfen. Es gab viele kleine Verletzungen, Krankheiten, einige Langzeitverletzte. Wie eingangs erwähnt: Die Breite unseres Kaders war der Schlüssel. Im Mai hangelten wir uns von Spiel zu Spiel, gewannen knapp gegen Roßbach (2:1) und vergaben in Mömlingen (1:2) den ersten Matchball. Am Pfingstsamstag brachen dann nach einem tollen Spiel gegen Sulzbach und dem 1:1 zwischen Vatan Spor und Mömlingen alle Dämme. Es gab eine spontane Party auf dem Sportgelände, die bis in die Nacht dauerte und am Sonntag, für manche bis Montag weiterging.

Mittelkreis: Was ist dir aus der abgelaufenen Runde und den absolvierten Begegnungen positiv, was negativ im Gedächtnis geblieben?

Christian Appel: Nach einer Meisterschaft bleibt natürlich das Positive hängen. Wir haben uns definitiv als Mannschaft weiterentwickelt und dieser Prozess sollte auch längst nicht abgeschlossen sein, denn wir haben einen Altersschnitt von ca. 22-23 Jahren in der 1. Mannschaft. Die Mannschaft hat ein gewisses Level erreicht und über die ganze Saison auch abgerufen. In den ganz wichtigen Spielen hat man schon bei dem einen oder anderen gemerkt, dass der Druck groß war, aber auch hier findet bei den jungen Spielern sicherlich ein wichtiger Lernprozess statt, der in Zukunft hilft. Überragend für mich in der Rückrunde war unser Spielertrainer Tobias Väth, der, obwohl ebenfalls über längere Zeit angeschlagen, stets die Mannschaft geführt und viele ganz wichtige Tore erzielt hat. Wesentlich verbessert haben wir uns in der Defensive, wo wir den Gegentorschnitt im Vergleich zu den Jahren davor nahezu halbiert haben. Dies wird sicherlich ein ganz wesentlicher Punkt sein, auch in der Kreisliga bestehen zu können. Ein ganz großer Leistungsträger wurde für uns Johannes Feyh im defensiven Mittelfeld, der zwar nicht so oft in der Zeitung steht, bei dem man aber sofort merkt, wenn er fehlt. Kurios war, dass wir Meister wurden, obwohl wir nicht einen Punkt gegen die nächstplatzierten Teams aus Mömlingen und Vatan Spor geholt haben. Dadurch, dass wir gegen die restlichen Mannschaften nahezu alle Spiele gewonnen haben, konnten wir das umbiegen, aber normalerweise darf das nicht passieren.

Mittelkreis: Wie beurteilst du insgesamt das Niveau der Spielklasse innerhalb der abgelaufenen Spielzeit?

Christian Appel: Die Tabelle sagt aus, dass es am Ende eine Dreiklassengesellschaft gab. Wobei ich meine, dass fast jedes Team in der Lage war, gegen jeden Gegner zu gewinnen. Wir hatten auch unsere Mühe z. B. gegen Obernau und Roßbach, Mannschaften, die jetzt in der A-Klasse antreten müssen. Die Spiele gegen die obere Tabellenhälfte waren insgesamt völlig auf Augenhöhe, da entschieden oft Details über Sieg und Niederlage. Vieles ist Tagesform, die Kunst ist es, diese gute Tagesform möglichst jeden Sonntag auf den Platz zu bringen. Das macht am Ende aus, ob man auf Platz 1 oder auf Platz 5 ins Ziel kommt. Wer zielorientiert arbeitet, diszipliniert und talentiert ist, der kann in dieser Klasse etwas erreichen. Viele Mannschaften hatten mindestens einen richtig herausragenden Spieler in ihren Reihen, die Mannschaften im oberen Drittel mehrere. Diese Spieler machen den Unterschied. Man kann teilweise an der Torjägerliste ablesen, welche Spieler das sind, aber es gibt auch viele Defensivstrategen, die für ihre Teams unersetzlich sind.

Mittelkreis: Wie laufen die Planungen für die kommende Runde, welche personellen Änderungen gibt es zu vermelden und wie wird eure Vorbereitung aussehen?

Christian Appel: Bei uns ändert sich nichts Wesentliches. Aus der Meistermannschaft verlieren wir Christoph Bachmann, den es beruflich nach Köln verschlagen hat. Dafür kehrt Sebastian Feyh ab September aus London zurück, sodass wir hier kompensieren können. Er wird auch wieder als Partner von Tobias Väth das Trainer-Duo bilden, unser Torwart-Trainer Frank Jäger bleibt ebenfalls im Boot. Aus unserer A-Jugend stoßen mit Simon Reinhart und Julian Geis zwei sehr talentierte Kicker zum Team, sie werden sicherlich den Kampf um die Plätze verschärfen. Außerdem ist seit April unser „Polizist“ Kevin Heiming wieder da, er war über ein Jahr nicht verfügbar, da er tief in Bayern eingesetzt war und so nur selten nach Hause kommen konnte. Auch von ihm erhoffen wir uns einiges. Wie eingangs erwähnt sind wir davon überzeugt, dass unsere junge Mannschaft noch gutes Potenzial nach oben hat und sich weiterentwickelt. Bei der 2. Mannschaft gibt es mit Dennis Neßwald einen neuen Spielertrainer. Er kommt zusammen mit seinem Bruder Marco von Vorwärts Kleinostheim zu uns und wird mit seiner Mannschaft in der A-Klasse 3 ordentlich gefordert sein mit Gegnern auf hohem Niveau. Wir meinen, dass er ein hervorragender Nachfolger des auf eigenen Wunsch ausgeschiedenen „Aufstiegscoaches“ Patrick Bachmann sein wird und dessen Arbeit erfolgreich fortführt.

Mittelkreis: Was wünschst du dir für die kommende Kreisliga-Saison im Bezug auf Mannschaft und den gesamten Verein? Wie wird die Zielsetzung aussehen?

Christian Appel: Insgesamt sollten wir gut aufgestellt sein für die neuen Herausforderungen. Am 27. Juni fällt der Startschuss in die Vorbereitung. Die erste Juli-Woche hat es dann schon in sich mit dem Achtelfinale im Landkreispokal gegen Bezirksligist Elsava Elsenfeld. Einen Tag später treffen wir im Rahmen des 1. MainBogen-Energie-Cups auf den SV Erlenbach und an den folgenden Tagen noch auf vier weitere Mannschaften. Es wird im Juli sicher schweißtreibend werden müssen, um die Grundlagen dafür zu legen, eine zufriedenstellende Saison zu spielen. Wir wollen uns in diesem Jahr in der Klasse etablieren, sprich den Klassenerhalt schaffen (was in der Kreisliga aber auch gleich einen „Top-Ten-Platz“ bedeutet). Dafür sollten mindestens 40 Punkte notwendig sein, was eine Menge Holz ist, wenn man bedenkt, dass man für diese Punktzahl quasi die Hälfte der Saisonspiele gewinnen muss. Die Kreisliga ist in der kommenden Saison nach meiner Einschätzung mit den Absteigern Pflaumheim und Keilberg, den knapp am Aufstieg gescheiterten Schweinheimern sowie Teams wie Sailauf, Dettingen und Hain zu einem guten Drittel mit Aufstiegsanwärtern besetzt. Dahinter wollen wir irgendwo eine möglichst gute Rolle spielen, sprich: Abstand halten zu den fünf Abstiegsplätzen. Wenn ich also sechs Mannschaften vor uns sehe und wir mindestens fünf hinter uns lassen müssen, dann bleibt als Zielkorridor Platz 7-10, ich denke, das ist realistisch. Hier setze ich vor allem darauf, dass wir mit einem wieder kompletten und dann auch austrainierten Kader in die Saison gehen können. Auch für die 2. Mannschaft gilt zunächst das Ziel Klassenerhalt. Somit gilt ab sofort für unsere Spieler: Meisterschaft und Aufstieg dürfen gerne Ansporn für neue Taten sein, als Ruhekissen taugen die Erfolge eher nicht!

Mittelkreis: Danke Christian für das Interview!

Die Meistermannschaft von Eintracht Leidersbach:

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