Bezirksliga Ufrk. West: „[…] mit ungleichen Waffen gekämpft“ – Interview mit Marc Steenken (Trainer TuS Röllbach)

Der TuS Röllbach hat nach der Meisterschaft im vergangenen Jahr, in der Schlussrechnung der abgelaufenen Saison 2012/2013 in der Bezirksliga Unterfranken West 1 den 4. Tabellenplatz errungen. Lange Zeit hatte es danach ausgesehen, als könne die Mannschaft des TuS auch in dieser Runde wieder um den Titel spielen, jedoch gab man in der Rückrunde in der sehr starken Liga einige Zähler ab. Wir sprachen nun mit dem Trainer der Röllbacher – Marc Steenken – der ein ausführliches Saisonfazit zog und bereits auf die neue Spielzeit blickte.

Mittelkreis: Hallo Marc, die Saison 2012/2013 ist Geschichte! Was ist dein Saisonfazit für eure Mannschaft in der Bezirksliga Unterfranken West 1?

Marc Steenken: Wenn ich ehrlich bin, weiß ich am Ende dieser Spielzeit nicht so richtig, ob ich mit der Saison ganz zufrieden sein kann oder nicht. Vor der Saison hatten wir uns vorgenommen, nicht schlechter abzuschneiden als in der tollen Meistersaison 2011/ 2012, was bei dieser starken Konkurrenz so in etwa Platz 3-5 bedeuten sollte. Mit dem 4.Platz und der zwischenzeitlich identischen Punktzahl (64 Punkte) nach 30 Spieltagen, mit welcher wir vor einem Jahr mit 5 Punkten Vorsprung Meister wurden, haben wir scheinbar dieses Saisonziel erreicht, zumal die Klasse ja nicht nur durch die Spitzenteams auf den Plätzen 1-3, sondern auch durch weitere teilweise namhafte Vereine wie SV Viktoria Aschaffenburg II, SC Schollbrunn usw. wesentlich aufgewertet wurde.

Nach einem phantastischen Saisonstart und einer Vorrunde, an deren Ende wir uns punktgleich mit dem Würzburger FV II auf dem ersten Tabellenplatz wiederfanden, kann man mit dem endgültigen Abschneiden am Ende der Saison dann aber doch nicht mehr vollständig zufrieden sein, da die Ausgangsposition im Winter noch überragend war.

Auch wenn wir – wie es der Vorstand mal richtigerweise zu sagen pflegte – im Vergleich mit den anderen diesjährigen Topteams FC Viktoria Kahl, Würzburger FV II und Kickers Würzburg II sowohl finanziell als auch von der Kaderstärken her, mit „ungleichen Waffen kämpften“, woll(t)en wir uns kontinuierlich weiter entwickeln und auch verbessern…und das haben wir eben anders als in den Saisons zuvor nur bedingt geschafft.

Dennoch – und das sollte bei der Enttäuschung über den verpassten „großen“ Sprung nicht vergessen werden- ist alleine schon die Tatsache, in dieser Liga im Konzert der „Großen“ mithalten zu können für das kleine Röllbach mit zumeist einheimischen Spielern und ohne finanzielle Mittel von Haus aus schon eine tolle Sache. Wie die Jugendtrainer wie z.B. Hubert Mattern, Robert Buhleier und Tino Ackermann die Jugend auf diese im Bezirk höchste Spielklasse vorbereiten ist daher tatsächlich außergewöhnlich und der Grundstein für den Erfolg im Seniorenbereich der letzten Jahre.

Richtig erfolgreich war die Saison aber dann doch noch zumindest für unser 1B-Team des Trainergespanns Wolfgang Becker und Johnny Schwaab, welches sich –sicherlich verdient- durch ein tolles Entscheidungsspiel gegen den FSV Obernau erstmalig mit dem Aufstieg in die Kreisklasse belohnte. Dies gebührt insofern schon besonderer Anerkennung, musste das Team doch aufgrund ständiger Ausfälle, Verletzungen usw. fast Woche für Woche mit einer veränderten Elf auflaufen, bei welcher sogar Vorstand und Abteilungsleiter schon aushelfen mussten.

Mittelkreis: Was ist Dir aus der abgelaufenen Runde und den absolvierten Begegnungen positiv, was negativ im Gedächtnis geblieben?

Marc Steenken: Positiv war nach der errungenen Meisterschaft natürlich die gesamte Vorrunde v.a. aber mit den Spielen gegen Kahl, die Kickers und Schollbrunn, welche wir alle (denkbar knapp) für uns entscheiden konnten. Bemerkenswert hierbei war vor allem, wie die Mannschaft nach einer, infolge der Relegation, nur ganz kurzen Pause so gut wieder aus den Startlöchern kam. Grundsätzlich bereitet mir aber das „Arbeiten“ mit einer so ehrgeizigen und charakterlich einwandfreien Truppe in dieser interessanten Liga mit diesen interessanten Gegnern nach wie vor großen Spaß, sodass mir v.a. diese Saison wieder als ein Highlight meiner Trainertätigkeit in Erinnerung bleiben wird.

Was mich schon etwas stört und mir vorher nicht so bewusst war, sind die nicht immer nachvollziehbaren Regularien beim Einsatz von Akteuren der ersten Mannschaft bei den Reserveteams. Ist die für uns geltende Regel, dass ein Spieler für die Reservemannschaft am gleichen Wochenende und im nächsten Spiel der Reserve (bis max. 10 Tage) gesperrt ist, aus Gründen der Fairness noch völlig nachvollziehbar, muss man sich über die Sperrpausen der Spieler ab der Bayernliga aufwärts doch eigentlich schon sehr wundern. Spieler der ersten Mannschaft dürfen –sofern sie noch nicht 23 Jahre alt sind (was bei einem zumeist niedrigen Durchschnittsalter dieser Mannschaften sehr oft vorkommt)- ohne Sperre theoretisch bereits am gleichen Tag noch in der zweiten Mannschaft eingesetzt werden und Spieler über 23 Jahre sind nur 2 Tage gesperrt. Dies kann des öfteren v.a. bei Spielen der Spitzenteams untereinander entscheidend sein.

Negativ war in der abgelaufenen Saison sicherlich aber auch der durch 19 Mannschaften bedingte geballte Spielplan mit einigen Mittwochs- oder Freitagsspielen. Durch die vielen Nachholspiele waren somit Mannschaften mit großem Kader und möglicherweise zusätzlich noch Kunstrasen (z.B. die Bayern –oder Regionalligareserven) im Vorteil. Dafür können sicherlich diese Mannschaften nichts, die Gruppe mit einem 20-er Spielplan ist/war aber einfach zu groß und führte hier m.E. zu Wettbewerbsverzerrungen.

Mittelkreis: Wie beurteilst du insgesamt das Niveau der Spielklasse innerhalb der abgelaufenen Spielzeit?

Marc Steenken: Wie bereits unter Frage 1 erwähnt, war die abgelaufene Bezirksliga-Saison durch die Abschaffung der darüber liegenden Spielklasse wohl noch niemals vorher so stark besetzt. Mit gleich 5 Absteigern aus der BOL, welche sich vor der Saison sogar teilweise noch verstärkten und dazu noch den starken Regionalliga-Reserven von Viktoria Aschaffenburg und den Würzburger Kickers glich diese Liga eher einer abgeschwächten Bezirksoberliga und war (ist) mit der Bezirksliga der vergangenen Spielzeiten nicht mehr vergleichbar.

Mittelkreis: Wie laufen die Planungen für die kommende Runde – welche personellen Änderungen […wir berichteten] gibt es bereits zu vermelden und was ist in der Vorbereitung geplant?

Marc Steenken: Die Planungen für die neue Saison laufen (zumindest im Hintergrund) nun schon beinahe ein halbes Jahr. Die oberste Priorität vom Trainerteam und dem Verein ist und war es, zuerst den bestehenden, hervorragend funktionierenden Kader auch für die neue Spielzeit zusammenzuhalten … und diese Gespräche fanden eben bereits schon Anfang des Jahres statt. Bis auf Florian Ruhland (bereits in Winterpause zur Spvgg Niedernberg), Florian Häffner (zum TSV Amorbach) und Marco Wolf (Karriereende), die uns leider nicht mehr zur Verfügung stehen werden und uns sportlich v.a. aber auch menschlich fehlen werden, hat der gesamte Kader bereits frühzeitig für die neue Spielzeit seine Zustimmung gegeben.

Besonders freuen kann man sich darüber hinaus schon jetzt auf die Neuzugänge, welche uns allesamt sportlich sicherlich weiterhelfen werden. Mit dem Heimkehrer Mario Ackermann und seinem Mannschaftskollegen Rene Hagendorf kommen die möglicherweise besten U19-Strategen des SV Viktoria Aschaffenburg zu uns. Des weiteren bekommen wir mit Benedikt Ludwig einen weiteren torgefährlichen Angreifer (26 Tore in der Kreisklasse) und mit Felix Roßmann schließt sich ein offensiv ausgerichteter Mittelfeldspieler von der JFG Elsavatal unserem Team an. Und last baut not least kommt mit Fabian Töreszvary, der bereits in zahlreichen Trainingseinheiten sein Können aufblitzen ließ, ein weiterer hochtalentierter Jugendspieler aus der eigenen Jugend hinzu.

Die gemeinsame Vorbereitung (Mannschaftstraining) wird Ende Juni beginnen, jedoch muss jeder Spieler bereits in den Wochen zuvor individuell seine Grundlagenausdauer trainieren (Individualtraining), damit in den Vorbereitungswochen im Juli auch noch genug Zeit für u. a. spielerische und taktische Trainingseinheiten bleibt. Als Gegner für Vorbereitungsspiele wurden der TSV Großheubach, FC Viktoria Mömlingen, TSV Seckmauern, TSV Höchst (beide Kreisoberliga Odenwald) und der TSV Langstadt (Gruppenliga DA-DI) gewonnen. Dazu kommen noch (möglichst viele) Landkreispokalspiele.

Mittelkreis: Was wünschst du Dir für die kommende Saison im Bezug auf deine Mannschaft und den gesamten Verein? Wie wird die Zielsetzung aussehen?

Marc Steenken: Für die kommende Spielzeit erwarte ich durch die Neuzugänge einen größeren Konkurrenzdruck innerhalb der Mannschaft, welchen wir aufgrund verschiedenster Umstände in der Rückrunde so nicht mehr in der Form wie in der Vorrunde hatten. Desweiteren hoffe ich auf einen guten und vor allem verletzungsfreien Start in die neue Saison, um das für die 1A gesteckte Ziel „vorne mitspielen“ erreichen zu können. Für die 1B wird die Luft in der Kreisklasse sicherlich wesentlich dünner werden als noch in der A-Klasse, sodass hier nur der Klassenerhalt das vorrangige Ziel sein kann. Dennoch hoffe ich bei der 1B durch den Aufstieg auf einen weiteren „Schub“, der einigen Akteuren das regelmäßige Trainieren leichter fallen lässt.

Mittelkreis: Danke Marc für das Interview!

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